5. Mär 2008...17:46

Neues zum Grundeinkommen

Zu den Kommentaren

…gibt es irgendwie nicht viel. Psychologie heute hat in seiner März-Ausgabe das Thema aufgegriffen: Im Artikel wird auf die Website www.waswuerdensietun.de hingewiesen. Dort kannst du die Frage beantworten, was du tun würdest, wenn ein bedingungslosen Grundeinkommen eingeführt würde. Interessanterweise wollen das die meisten nutzen um damit das Leben zu gestalten.

Der Artikel in der Psychologie heute bewertet das Grundeinkommen eher kritisch und zitiert dabei auch den ehemaligen Fürsprecher, den Sozialphilosophen André Gorz, der sich am Ende seines Leben zum Gegner entwickelte. Dennoch sieht PH  auch die Grenzen der Erwerbsarbeit:

„Vom Grundeinkommen kann man halten, was man will. Das Problem, das dahintersteckt, muss in jedem Fall dringend gelöst werden. Was geschieht mit einer Gesellschaft ohne ausreichend Erwerbsarbeit?“

Im Anschluss an den Artikel ist noch ein Interview mit dem Arbeits- und Organisationspsychologen Gert Beelmann abgedruckt. Natürlich ist dieser dem Grundeinkommen auch skeptisch gegenüber eingestellt. Aber das ist logisch, gehört er doch als Geschäftsführer von QUOTAC zu den Profiteuren der jetzigen Arbeitsmarktlogik.

1 Kommentar

  • Ja, die Erwerbsarbeit, die Erwerbsgesellschaft. Sie ist das goldende Kalb unserer Zeit. Was wird nicht alles
    für sie getan. Und alles im Namen der Gerechtigkeit.

    Jeder, weiss aus eigener Erfahrung, dass Arbeit eine Restgröße ist. Niemand bestellt fünf Handwerker, wenn er
    einen braucht. Niemand denkt daran, dass er Arbeitsplätze schaffen muss. Das ist gut und richtig. Wer Arbeitsplätze
    schaffen will, macht sich arm. Wenn er es sich den überhaupt leisten könnte.

    Aber vom Staat (also von uns allen) wird erwartet, dass er Arbeit schafft und es geschieht täglich. Mio. und Mrd. werden
    so verschwendet. Aber alle finden es richtig.

    Der Staat gibt einem Menschen (dem Unternehmer) viel Geld, damit er für mich und für andere Arbeit „schafft“.
    Zunächst wird der Unternehmer möglichst viel von dem Geld für sich behalten und möglichst wenig an mich und die
    anderen abgeben. Das bedeutet, ein großer Teil des Geldes kommt nicht da an, wo es hin sollte.

    Wenn nun der Staat schon Geld ausgibt, um mir zu helfen, wäre es doch effzienter und gerechter, er gäbe mir
    das Geld direkt.

    Das geht aber nicht, weil es die Anderen dann sehen würden. Und die finden das dann ungerecht. Also muss der
    Staat, um seine Hilfe für mich zu verschleiern, zuerst dem Unternehmer Geld geben, der einen Gutteil für sich
    behält und den Rest mir gibt. Das findet die Gesellschaft dann gerecht, weil ich dann ja was dafür arbeite.
    Obwohl es die Arbeit, dich ich verrichte, gar nicht gibt. Sie gibt es nur, weil der Staat mir helfen will und
    nicht möchte, dass es einer merkt.

    Das passiert wirklich. Millionfach. Täglich. Es ist der Ruf nach der Erwerbsgesellschaft.

    Die Geschichte geht aber noch weiter. Was mir der Staat (versteckt) über das Unternehmen bezahlt, ist ja nicht
    allein mein gegenwärtiges Einkommen. Es ist gleichzeitig die Grundlage für mein künftiges Einkommen (Rente) sowie
    für Sozialleistungen (Medizin, Arbeitslosengeld).

    Insofern ist es für den Einzelnen tatsächlich existenziell, dass er Arbeit hat. Es ist unerheblich, ob es echte oder
    geschaffene Arbeit ist. Die Arbeit an sich zählt, weil gegenwärtige und künftige (Sozial-)Leistungen davon abhängen.

    Wenn Arbeit, Sozial- und Transfersysteme auf diese Weise verknüpft sind, muss natürlich Erwerbsarbeit geschaffen werden.
    Gleich welche Folgen es hat. Die Folgen sind aber verheerend, sie Kosten den gesellschaftlichen Wohlstand in Zukunft.

    Der gesellschaftliche Wohlstand läßt sich nur sichern, wenn Arbeit, Sozial- und Transfersysteme getrennt werden.

    Es kommt nicht darauf an, dass der Staat kein Geld oder wenig Geld ausgibt. Das tut er und wird es auch in Zukunft tun. Die Frage ist nur
    wie. Gibt er das Geld für gute oder schlechte Zwecke aus. Im Moment gibt er es für schlechte Zwecke aus. Ein Grundeinkommen
    könnte helfen, dass er es für gute Zwecke ausgibt. Ein Grundeinkommen kann helfen, eine menschenwürdige Gesellschaft in Wohlstand
    zu gestalten. Ein Grundeinkommen ist nicht das Ende der Arbeit, aber das Ende des Verteilungswahnsinns. Insgesamt ist es
    jedoch nur eine Antwort auf die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen. Wer hat oder kennt eine bessere?


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