11. Mär 2008...10:36

Spannungsfelder ethischer Entscheidungen

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Es ist heutzutage nicht leicht, ethisch wertvolle Entscheidungen zu treffen. Die meisten Entscheidungen lassen sich nicht einfach in richtig oder falsch, gut oder böse kategorisieren. Wenn es so leicht wäre….

Dieses Dilemma greift auch der Artikel „Eine Frage der Moral“ in der ZEIT (Ausgabe vom 6.03.08 ) auf. Ein unbedingt lesenswerter Artikel, der eine ethische Dimension aufzeigt, die wir nicht gerne hören, aber dennoch der stimmig sein kann:

„Von einer Aktiengesellschaft zu fordern, sie solle sich nicht in erster Linie am Wert ihrer Aktien orientieren, ist dagegen ungefähr so, als würde man von einem Rennfahrer verlangen, er solle nicht so schnell fahren. Aktiengesellschaften sammeln die Ersparnisse von Anlegern ein mit dem Versprechen, dieses Geld zu verzinsen und zu vermehren. Das ist ihr Hauptzweck, das ist die Geschäftsgrundlage.“

Bei Aktiengesellschaften geht es also im Kern um die gewinnbringende Verwaltung der Ersparnisse von Anlegern (klar, man könnte auch andere edlere Motive in die Diskussion einwerfen, aber das ist nun mal die Logik dieser Art und Weise ein Unternehmen zu organisieren).

„Die Vorstellung, ein in der Vergangenheit erzieltes Ergebnis müsse dazu verwandt werden, unwirtschaftliche Beschäftigung zu subventionieren, ist irrig.“

Es ist ja gerade der Erfolg von Rationalisierung, immer weniger Arbeitsplätze zu benötigen. Wir werden uns aber damit endlich auseinandersetzen müssen, dass die „sicheren“ Arbeitsplätze der Erwerbsgesellschaft, dauerhaft der Ausnahmezustand bleiben wird. Wir können natürlich einen moralischen Zaun um die „Erwerbsarbeit“ machen und diese höher bewerten, wir können aber auch nach Alternativen suchen, die sich vielleicht für viele noch eher unmoralisch anhören – ich denke hier z. B. an das Konzept des Grundeinkommens.

Zurück zur ethischen Entscheidungsfähigkeit. Ich glaube, dass es auch in dieser komplexen Welt möglich ist, ethisch wertvolle Entscheidungen zu treffen. Für mich persönlich war eine Initialzündung als im Jahr 2004 der damalige Präsident der Bundesbank, Ernst Welteke, zurücktrat, weil er nicht mehr klar hatte, wie eine ethisch wertvolle Entscheidung aussehen könnte. Im Zuge dessen hat die Bundesbank Ethikberater eingestellt, um ihren Führungskräften zur Seite zu stehen. Diese Situation wurde für mich zum Auslöser, mich selbst fit zu machen, andere zu unterstützen, im ethischen Diskurs zu angemessenen Ergebnissen zu kommen. Für mich als Jesus-Nachfolger heißt das, ethische Antworten auf biblischer Grundlage zu finden, ohne jedoch auf biblizistisch-verkürzte Standardantworten zu setzen. Die werden dem Schöpfergott einfach nicht gerecht.

3 Kommentare

  • Dein Schlußsatz, könnte nicht treffender formuliert sein. Ich denke, dass wir als Jesus Nachfolger viel, zu geben haben, was eine ethisch moralische Entscheidungskompetenz von Führungskräften betrifft. Da lohnt es sich umzudenken und sich mit neuen Wegen und methodischen Ansätzen die für unsere Zeit relevant/lebbar sind auseinanderzusetzen.

  • Vielleicht interessiert das hier jemanden bei diesem Thema: Zwei Professoren meiner Uni (die HSG in St.Gallen, berühmt berüchtigte Wirtschafts-Elite-Uni im deutschsprachigen Raum) haben ein Manifest verfasst mit dem Titel „Eine Wirtschaft, die dem Menschen dient, braucht eine ethische Grundlage“. Zwar kommt dieses Ethikveständnis nicht primär aus dem christlichen Glauben – trotzdem ist es bemerkenswert, wenn zwei Professoren einer anerkannten Wirtschaftsuni sich anfangen Gedanken darüber machen, was der freie Markt NICHT zu leisten vermag.

    Für alle Interessierten: Das Manifest ist zu finden unter http://www.ratkontrapunkt.ch/fileadmin/Redaktion/Manifest_Kontrapunkt_2008_05.pdf

  • Marcus Bittner

    @mrohner: Herzlichen Dank für die Info. Ich habe das Papier durchgelesen und halte es für sehr hilfreich.
    Siehe auch: http://marcusbittner.wordpress.com/2008/06/04/ein-wirtschaftsethisches-manifest-in-der-schweiz/


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