Archiv für November, 2009

28. Nov 2009

Wie beten Männer Gott an (2)

Eine Geschichte, die mich sehr berührt hat wurde für mich in den letzten Monaten zu einem Sinnbild dafür wie Männer Gott anbeten können. Sie steht am Ende des Buchs “Der wilde Messias” von Michael Frost und Alan Hirsch (S. 239 – 242), die ich hier komplett wiedergeben möchte:

“Zwei Männer betreten gemeinsam eine Kneipe…

Zwei Männer in ihren mittleren Jahren treffen sich in einer Kneipe mitten in einem kleinen, unscheinbaren Dorf. Sie schließen sich herzlich in die Arme, ihre harten Hände umschlingen den breiten Rücken des anderen voller Zuneigung. Sie küssen sich zweimal, auf jede Wange. Dann setzen sie sich, um zu essen, zusammengekauert über dem gemeinsamen Tisch wie beim dem Treffen einer Verschwörung. Der Staub auf ihren Gesichtern unterstreicht die Linien um ihre Augen, ihre ergrauten Bärte verraten ihre Jahre. Zwei alte Löwen, Kämpfer, die so manche Schlacht geschlagen haben und immer noch auf ihren Beinen stehen.

Während er sich die Krümel aus dem Bart wischt, sagt der eine mit einem Grinsen: “Du bist aber alt geworden.” Der andere schaut auf und hebt eine Augenbraue. “Ich meine doch nur”, fährt der Erste fort, “ich habe dich schon lange nicht mehr gesehen und du scheinst älter geworden zu sein in dieser Zeit.” Erneutes Grinsen. Beide lachen und der erstse Sprecher legt seine Hand auf den Arm seines Freundes. Sein Tonfall wird ernster. “Es sind die vielen Reisen – sie sind so kräftezehrend”, gibt er zu.

“Bei mir ebenso. Und die Enttäuschungen. Ich könnte das Reisen, die schlechten Unterkünfte, die Rückschläge und all das aushalten. Aber diese lähmende Enttäuschung, Kameraden, die sich auf und davon machen, ihre Gruppen verlassen oder unsere Lehren verdrehen – ehrlich – das ist es, was mich fertig macht. Du bist nicht der Erste, der bemerkt, dass mich all das älter macht.” Er schaut seinen Freund durchdringend an.

“Ja, du siehst sogar sehr alt aus.” Beide lachen. Stille. Nach einer Weile beginnt der Erste wieder: “Sag mal, Paulus, machen dir die Korinther immer noch Kopfschmerzen? Sind sie der Grund für die grauen Strähnen in deinem Bart?” “Das ist doch noch gar nichts – Kopfschmerzen und graue Strähnen, Petrus! Hast du nicht gehört? Du willst es gar nicht wissen! Eifersucht, Streit und Spaltungen! Einige haben meine Stellung als Apostel schlichtweg abgelehnt. Sie wollen Leiter, die mehr Gaben vorweisen können als ich sie habe! Ist das zu fassen? Sie verstehen nicht, dass all Weisheit vom Heiligen Geist herkommt. Nach so langer Zeit habe ich es nur mit Babys in Christus zu tun. Und ich will gar nicht anfangen, all ihre Verbrechen aufzuzählen: sexuelle Ausschweifung, sie verklagen sich gegenseitig vor den Richtern, missbrauchen ihre Freiheit und tolerieren, Geschwister, die in Unmoral leben – einfach so. Sie sind stolz auf ihre Geistesgaben, die Gottesdienste sind das reine Chaos – du solltest sie über die Auferstehung reden hören – furchtbar. Und was soll ich dir sagen – sie haben einfach keine Liebe füreinander! Vier! Vier Briefe habe ich ihnen dazu geschrieben und es hat den Anschein, dass alles nur noch schlimmer wird. Ich habe schon darüber nachgedacht, ihnen einfach nicht mehr zu schreiben, um die Diskussion zu beenden. Vielleicht können ja meine Fäuste ihnen das einbläuen, was meine Worte scheinbar nicht vermögen. Hm – du bist bestimmt ein besserer Fautkämpfer, als ich es bin – Lust auf eine Fahrt nach Korinth?” “Ich bin mir nicht sicher, ob eine Keilerei den Korinthern helfen wird, Kamerad. Obwohl ich mir vorstellen könnte, dich zu begleiten.” Petrus lächelt aufmunternd.

“Wie geht es der Zellgruppe in Galatien? Hast du was von ihnen gehört?”, fragt Paulus nach einem tiefen Schluck aus seinem Becher. Petrus schüttelt langsam den Kopf. Paulus spricht weiter: “Ihr Glaube war nicht fest genug, um all der Verwirrung standzuhalten, die diese Judenchristen über die Notwendigkeit der Beschneidung verursacht haben. Sie haben dem Evangelium, das ich ihnen gebracht habe, nicht vertraut! Überdies zweifeln sie genau wie die Korinther meine Autorität als Apostel an.”

Und so geht es weiter. Zwei Männer, müde von ihren Reisen, erzählen sich ihre Geschichten, von den neuen Zellgruppen in Kleinasien, Bekehrungen in Europa, Enwicklungen in Griechenland. Am Ende des Abends sagt Paulus: “Petrus, ich bin mir nicht sicher, ob ich dich noch einmal sehen werde…” “Das sagst du jedes Mal, wenn wir uns treffen.” “Ich weiß, und darum ist es nicht weniger wahr. Aber nur für den Fall, dass unsere Wege sich nicht mehr kreuzen, kannst du mir noch einmal von ihm erzählen?” Petrus lächelt traurig: “Oh Paulus – ich habe dir die Geschichten schon hunderttausend Mal erzählt. Du kennst sie inzwischen besser als ich selbst.”

Paulus rutscht auf seinem Stuhl nach vorne und schaut seinen Freund an: “Kamerad, ich wurde geschlagen, verlassen, verraten, bin schiffbrüchig gewesen und für tot gehalten worden. Ich weiß, von keiner Gemeinschaft, die ich gegründet habe, die nicht durch irgendeine Krise geht, egal ob persönlich oder in der Lehre. Ich bin ein alter Mann geworden. Die Revolution ist in vollem Gange, langsam aber sicher kommt sie. Was haben wir nicht schon alles gesehen? Aber es ist manchmal so anstrengend. Ich warte auf den Herrn, wie der Wächter auf das Ende der Nacht wartet. Und weißt du, manchmal frage ich mich, ob aus diesen kleinen Zellgruppen, die wir angefangen haben, jemals die Bewegung werden wird, von der wir träumen. Ja, ich frage mich das. Auch nach allem, was ich gesehen und erlebt habe. Nach allem, was wir gesehen und erlebt haben..”

Er schaut Petrus mit seinen klaren Augen an und sagt nochmals, fast schon flehend: “Erzähle es mir noch einmal.”"

Diese Geschichte spiegelt so viel Tiefe des Lebens wider. Egal in welchen geistlichen, beruflichen, persönlichen Herausforderungen wir stecken. Wir brauchen Gefährten mit denen wir uns in einer Tiefe begegnen können und gegenseitig dabei helfen können, uns auf die Person Jesus ausrichten zu können – um immer sagen zu können: Ja, es hat alles einen Sinn!

27. Nov 2009

Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen (3)

Um sich dem biblischen Verständnis von Arbeit anzunähern, scheint es mir grundlegend auf die Schöpfungsgeschiche (1 Mo 1 – 3) einzugehen:

Gott hat den Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen und ihm darin gleich einen Auftrag zum herrschen gegeben:

Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen! Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen! (1 Mo 1, 26 – 28)

Dieses „herrschen“ drückt sich in zwei unterschiedlichen Begriffe aus: „radah“ = niedertreten (1 Mo 1, 26) und „habasch“ = unterwerfen, gefügig machen (1 Mo 1, 28) .

Obwohl die Wortwahl es nahe legen könnte, ist das kein Aufruf zu einer Willkürherrschaft, sondern ein Gestaltungsauftrag für das eigene Lebensumfeld. Schließlich ist der Mensch zugleich gefordert, sich in dieser Welt einzurichten, sich zu vermehren, sie als die eigene Lebensgrundlage zu nehmen. Dies wird in der zweiten Anweisung „Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie euch untertan“ deutlich. In anderer Weise wird das noch im 2. Kapitel weitergeführt.

Und Gott, der HERR, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren. (1 Mo 2, 15)

Das Herrschen drückt sich aus durch bebauen (hebr.: abad = dienen) und bewahren. Helmut Burkhardt sieht darin, den Auftrag, das Schöpfungswerk Gottes fortzusetzen. Es gehe nicht darum, die Schöpfung so zu lassen wie sie ist, was das Wort „bewahren“ möglicherweise andeutet, sondern „das natürlich Gegebene so zu entwickeln, dass es zur Vollendung kommt, und zwar zu seiner in ihm angelegten Vollendung. Der Herrschaftsauftrag wird so zum Kulturauftrag. Der Mensch tritt in das Werk Gottes ein und führt es in seiner Arbeit fort.“

Dieser Herrschafts- und Kulturauftrag dient dem Menschen zunächst ganz elementar seiner eigenen Versorgung. Dem Menschen wird „die Nahrung zugesprochen“ . Die Pflanzen dienen zur Nahrung (1 Mo 1,30), sowie später auch die Tiere (1 Mo 9, 3).

Der Schöpfungsbericht zeigt uns als einzige Sinnbestimmung (neben dem der Ebenbildlichkeit Gottes) die oben beschriebene Arbeit in den im Zusammenhang der Schöpfung .

In Folge 4 werde ich genauer auf die Arbeit Gottes und das menschliche Arbeiten eingehen.

24. Nov 2009

Wie beten Männer Gott an? (1)

Neulich war ich auf einer Party. Es waren einige Leute da, die ich bis dahin noch nicht kannte. Mit einem Mann kam ich etwas intensiver ins Gespräch – wir haben uns über Musik unterhalten. Wir kamen auf Johnny Cash zu sprechen und er wollte mir unbedingt ein Lied vorspielen – ein Anbetungslied, wie er meinte. Das Lied hieß “Help me” -wir standen da und lauschten dem Lied und waren beide sehr berührt, wir hätten zusammen losgeheult, wenn wir uns besser gekannt hätten. Wir haben in diesem Moment zusammen Gott in einer sehr tiefen Weise angebetet. Interessanterweise dachte ich (weil es andere dachten), dass der Mann gar nicht mit Gott unterwegs ist. Aber in dieser Begegnung wusste ich, dass er sehr wohl an Gott dran ist.

Ich habe ein sehr großes Bedürfnis mit ihm zusammen mehr und mehr zu entdecken, wie wir als Männer Gott anbeten können. Das ist eine Frage, die mich seit einigen Monaten sehr beschäftigt. Und Erlebnisse wie dieses helfen mir dabei, dem immer mehr nachzuspüren.

 

24. Nov 2009

Mixtour

 

23. Nov 2009

Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen (2)

Im ersten Teil (ich gebe zu, dass das schon ein Weilchen her ist) habe ich behauptet, dass das biblische Zitat “wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen”, das auch Eingang in die Verfassung der Sowjetunion bekam, durchaus seine Bedeutung hat, aber nicht als Kerngedanke biblischer Anthropologie gesehen werden kann.

Ich möchte dieses Zitat als Ausgangspunkt dieser Artikelserie nehmen, in der ich mich intensiver mit der biblischen Bedeutung von Arbeit und Arbeitslosigkeit auseinandersetze und auch versuchen werde ethische Ansatzpunkte für Antworten auf schwierige gesellschaftliche Fragen zu finden, in der einfache “christliche” Antworten zu kurz greifen.

Zentral ist für mich die Auseinandersetzung um die Frage, was Arbeit mit dem Menschsein an sich zu tun hat. Es gilt also (theologische) Anthropologie in das Grundverständnis von Arbeit in die gesellschaftliche Diskussion einzubringen . Mit dieser anthropologischen Dimension sind ethische Fragestellungen eng verbunden.Es reicht hier aber längst nicht, nur individualethische Aspekte zu diskutieren. Hier müssen wir Christen die „Entfremdung zwischen Kirche und Arbeitswelt“  (Helmuth Engelkraut) überwinden. Hier brauchen wir eine Sozialethik im Sinne einer Ethik der sozialen Ordnungen oder Institutionen, in denen der Mensch lebt. Ich glaube, dass christliche Ethik dazu einen entscheidenden Beitrag leisten kann.

Im nächsten Teil werde ich versuchen, das biblische Verständnis von Arbeit herauszuarbeiten.

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20. Nov 2009

Nachhaltiges Beten

Meine Work-Life-Balance ist in den letzten Jahren doch ganz schön aus den Fugen geraten. Wenn ich so in mich hineinspüre, merke ich, dass mein geistlicher Tank ziemlich leer ist. Ich habe entschlossen -obwohl mein Leben insgesamt doch sehr turbulent ist – mir im Alltag immer wieder spezielle Phasen der Reflexion und Ruhe zu gönnen. Dazu gehört auch das Ruhegebet nach Cassian. Mehr oder weniger zufällig habe ich einen Kurs zu dieser Gebetswesen entdeckt. Peter Dyckhoff führt in die Gebetsweise ein, die vom Wüstenvater Johannes Cassian (4./5. Jahrhundert) entwickelt wurde.

Inhalt und Ziel dieses Gebets ist es, sich mit ruhiger Herzenshaltung auf Jesus Christus zu besinnen – ein bis zwei Mal pro Tag 20 Minuten. Angesprochen hat mich das bewusste Verzichten auf jegliche Leistung. Ich wiederhole in meinem inneren nur eine “Gebetsformel” oder ein “Gebetswort”, ohne dass ich mich darauf konzentrieren (Leistung!) müsste. Meine Gedanken dürfen entgleiten und wenn ich es bemerke, dann komme ich einfach wieder darauf zurück und nehme das Gebetswort wieder auf. Da ich gerade beim Beten sehr ablenkbar bin, hat mich das sehr angesprochen. Der Gedanke tritt zwar an die Stelle des Gebetswortes, aber der Gedanke geht auch wieder. Ein Gedanke bleibt nie mehrere Minuten.

Ruhegebet ist nicht Kontemplation (ich gehe von einem Bild zum nächsten) und auch nicht Konzentration (ich fokussiere mich auf einen Punkt).Es ist vielmehr Versenkung und Hingabe.

“Das Gebet ist uninteressant für unseren Intellekt”, sagt Peter Dyckhoff. Es ist zu einfach als dass es unser Denken füttern könnte.

Momentan praktiziere ich das Gebet einmal täglich am frühen Nachmittag. Zwischenfazit: Es tut mir gut. Nicht mehr und nicht weniger. Aber es hat für mich eine große Kraft, mitten am Tag auszusteigen und mich auf diese Art und Weise Gott zu erfahren. Ein bekanntes Zitat von Karl Rahner begleitet mich auch in diesen Tagen: „Der Fromme von morgen wird ein Mystiker sein, jemand, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“

In diesem Sinne möchte ich ein Mystiker sein. Ich will mich einlassen auf Jesus – mitten im Trubel des Alltags. Ob ich das Ruhegebet dauerhaft praktizieren werde weiß ich noch nicht. Dyckhoff  empfiehlt, es schon mal ein bis zwei Jahre zu praktizieren. Durch das Ruhegebet will ich neue, gute Gewohnheiten in mein Leben integrieren. (Deshalb schreibe ich darüber, weil könnt ihr irgendwann mal fragen, ob ich das immer noch so tue. Vor 10 Jahren, als ich mit dem Rauchen aufgehört habe, hatte ich diesen Entschluss auch veröffentlicht – soziale Kontrolle kann manchmal helfen).

Für den Einsteiger gibt es hier mal die Gebetsworte (“formula pietatis”), suche dir Dein Gebetswort aus, beachte die 3 Regeln (überziehe deine Gebetszeit nicht auf eine halbe Stunde oder länger, bete nicht nach dem Essen, bete nicht in der Sonne) und werde ein Mystiker. Der mystische Weg besteht aus 3 Schritten (Reinigung, Erleuchtung und Einigung).

Herr Jesus Christus,Sohn Gottes, erbarme dich meiner, des Sünders

Herr Jesus Christus,Sohn Gottes, erbarme dich meiner,

Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich unser

Gott komm mir zur Hilfe, Herr eile mir zu helfen

Herr Jesus Christus erbarme dich meiner

Jesus, Sohn Davids erbarme dich meiner

Herr Jesus, Christus, erbarme dich unser

Jesus Christus erbarme dich meiner

Jesus Christus erbarme dich unser

Herr Jesus Christus, Sohn Gottes,

Jesus, Messias, Sohn Gottes

Jesus Christus, Sohn Gottes

Herr erbarme dich meiner

Mein Gott und mein alles

Herr erbarme dich unser

Dein Wille Geschehe

Herr Jesus Christus

Herr erbarme dich

Komm, Herr Jesus,

Jesus erbarmen

Jesus Christus

Kyrie eleison

Jesus, Liebe

Jesus, Herr

Herr Jesus

Maranatha

Immanuel

Jesus, Du

Christos

Adonai

Jesus

Abba

 

 

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