Artikel getaggt mit ‘Kirche/Gemeinde’

7. Jan 2010

Wieder mal was zum G-Thema

Ich wurde gefragt, was eigentlich mein Gemeindeverständnis sei. Ausgerechnet diese Frage – ausgerechnet dieses Thema.

Gemeinde als Wort und dem dahinterstehenden Konstrukt war für mich in den letzten Jahren ein Thema großer innerer Kämpfe und Frustrationen. Ich habe das Wort vermieden wo es nur ging. Ich ging so gar so weit, dass ich die Ekklesiologie als Teil der Dogmatik als völlig überbewertet empfand, ja die Ekklesiologie als Fehlentwicklung der Theologie sah (und eigentlich will ich von dem Gedanken auch nicht ganz abrücken). Der Grund: Gemeinde wird in unseren Köpfen immer zunächst im Sinne von Organisation verstanden. Zwar ist es für viele Christen mittlerweile klar, dass Gemeinde oder Kirche sich nicht auf  eine Gebäude beschränkt. Es geht um das Leben. Allerdings gibt es immer noch einen großen Anteil dann Gemeinde mit Gemeindeleben sprich Gottesdienst gleichsetzen. Und das ist gar nicht so leicht aus den Köpfen zu kriegen.Der zentrale Fokus liegt vielfach auf den Veranstaltungen. Das setzt sich auch  in sog. Hausgemeinden fort: „Wir hatten heute Hauskirche“, habe ich mal vor kurzem auf einem Blog gelesen. Für mich ist Gemeinde aber der Ausdruck gemeinsam geteilter Nachfolge und weniger ein organisatorisches Konstrukt.

Ein kleiner Test: Wenn Du einen Christen kennenlernst, was fragst du dann?

  • In welche Gemeinde gehst du?
  • Zu welcher Gemeinde gehörst du?
  • Mit wem folgst du Jesus nach?
  • Wie folgst du Jesus nach?

Mein Anliegen ist, dass gemeinsame Nachfolge oder Gemeinde sich nicht nur als Milieu oder Subkultur versteht bzw. sich gesellschaftlich darin verortet, sondern, dass sie in dieser Welt einen Anknüpfungspunkt findet, oder um es etwas theologischer zu formulieren, sich inkarmiert. Und das bedeutet an jedem Ort, in jeder Szene etwas anders.

Ich habe den Glauben an eine ideale Gemeinde verloren. Ich glaube, dass Gemeinde eines der abgefahrensten Projekte Gottes ist. Er hat sich so für das Unperfekte entschieden. Gemeinde ist das Unvollkommenste was Gott geschaffen hat und ist gleichzeitig dafür da, ihn in dieser Welt real zu repräsentieren. Das Unvollkommene weist auf den Vollkommenen hin, den Schöpfer des Himmels und der Erde. So etwas kann sich nur Gott erlauben. Und gleichzeitig hat er die Vision, dass diese Gemeinde dann am Ende seine perfekte und bildhübsche Braut darstellt. Das ist sehr steil finde ich.

Ich möchte nicht die ideale Gemeinde suchen und leben. Jede Gemeinde, jeder Nachfolger muss seinen Ausdruck finden, seinen Schwerpunkt, seine Berufung. Jeder hat seine Stärken und seine Herausforderungen:

  • Gott zeigt sich im Unperkfetken seiner Gemeinde und stellt sich sehr bewusst dazu (vgl. Offb 1,12-20)
  • Jede Gemeinde kann nur einen Teil, eine Facette der Gottesfülle darstellen (siehe Sendschreiben). Das bedeutet, dass das Kopieren von Gemeindemodellen und -philosophien in der Regel an der Einzigartigkeit der Nachfolge vor Ort vorbei geht.

Jesus liebt seine Gemeinde und ich will mich dem anschließen. Ich habe bei vielem was ich erlebe große Schmerzen und war in der Vergangenheit gerne bereit, aufgrund dieser Schmerzen Gemeinden zu verurteilen um dadurch gleichzeitig meine Form der Nachfolge zu glorifizieren… bis mir Gott meinen Balken aufzeigte. Aua! So geht es nicht, mein lieber Nachfolger. Was Gott mit sehr viel Respekt behandelt, will ich nicht mit Füßen treten.

11. Mai 2009

Gute Gründe

Für theologische interessierte Jesus-Nachfolger gibt es am Wochenende 05. bis 07. Juni 09 zwei gute Gründe nach Meiningen zu kommen. Im Rahmen der Pionierakademie findet eine Vorlesung in Eschatologie statt. Ich verspreche das wird unendlich viel spannender als der Titel das vermuten lässt, wir haben den in Spanien lebenden Briten Martin Scott gewinnen können – Eschatologie ist eines seiner Spezialgebiete. Was Eschatologie mit dir zu tun hat, kannst du hier lesen. Ach ja, der zweite Grund am Samstag abend (06.06.09) findet in Meiningen das Kneipenfestival Honky Tonk statt.

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18. Mar 2009

Am Rand der Welt

Manchmal, wenn ich mich mit etwas auseinandersetzen muss ich einige Zeit verstreichen lassen, bevor ich einen Themenstrang wieder aufgreife. Z. B. das Thema Kirche/Gemeinde. Vor einiger Zeit hatte ich die These aufgestellt ob das Konzept von Kirche/Gemeinde nicht das viel wesentlichere - die geteilte Jesus-Nachfolge – verdeckt oder gar verhindert. Prinzipiell sind wir, die wir mit Jesus unterwegs sind, herausgefordert uns wirklich an Jesus zu orientieren. Zu oft passiert es aber dass Gemeinde  oder der Mensch zu sehr im Mittelpunkt stehen, das würde ich dann anthropozentrisch oder ekklesiozentrisch nennen. Natürlich sind wir Menschen sehr wichtig und Gott hat uns in eine geniale Partnerschaft reingenommen, natürlich darf “Gemeinde” (in welcher Form auch immer seinen Platz haben), aber wenn diese Dynamiken ins Zentrum treten, können die Dinge manchmal sehr schnell sehr schräg werden.

Die meisten Gemeinden in der christlichen Landschaft neigen dazu, sich vor allem ekklesiozentrisch zu präsentieren. Oder anders formuliert: sie verlieren sich in der christlichen Subkultur. Neue Gläubige versucht man so schnell wie möglich in diese Subkultur zu integrieren. Was Integration in eine Gemeinde bedeuten kann, habe ich kürzlich erlebt, als ich mit dem Leitungsteam einer Jugendgemeinde einen Beratungsprozess hatte: Erfreulicherweise wurde eine junge Gläubige, die gerade mal ein halbes Jahr mit Jesus unterwegs war,  von ihrer Mentorin mit in dieses Treffen gebracht – ich nenne sie hier mal Jenny. Ein Satz in ihrer Vorstellung lies mich schon aufhorchen: “…ich arbeite noch nicht in der Gemeinde mit”. Sie meinte damit, dass sie noch nicht richtig ”dazu gehört”. Im weiteren Verlauf entwickelte sich ein sehr aufschlussreicher Austausch mit noch einigen interessanten Aussagen wie z. b. “…ich habe NOCH Beziehungen zu vielen Nichtchristen” (das hat Jennywirlich entschuldigend gemeint, weil es ihr zeitlich schwer fiel, sich mehr in die Gemeinde einzubringen). Die meisten Leiter dieser Gruppe viel es sehr schwer, ihre Programme los zu lassen, “…weil was passiert sonst mit den jungen Christen?”. Irgendwann brach Jenny in Tränen aus: “Es hatte niemand Zeit für mich, alle waren zu sehr mit dem Programm beschäftigt.”

Jenny wird ihren Weg mit Jesus gehen – da bin ich mir sicher. Und ehrlich: sie muss sich nicht in diese Subkultur integrieren – ich sehe da andere Wege für sie. Und nochmal ganz ehrlich: Wegen Menschen wie Jenny liebe ich meine Arbeit.

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14. Jan 2009

Jesus und die Altruisten

“Jesus ist nicht der Guru der Altruisten und selbstlos Weggeknickten, die so gar nichts für sich haben wollen; Jesus anerkennt durchaus das wahrhaftige menschliche Eigeninteresse.” (Klaus Berger: Jesus, S. 211)

“Wir meinen seit Jahrhunderten, Altruismus sei dasselbe wie Christentum. Jesus spricht aber das legitime Eigeninteresse des Menschen an. Wir machen aus dem Christentum eine Tröstungsreligion. Jesus aber appeliert aber an diejenigen, die mitten im Leben stehen und Verantwortung tragen. Es ist wohl kein Zufall, dass wir Menschen, die etwas bewegen, die mitten im Leben stehen, die in Wirtschaft und Politik kämpfen, in dem kleinen Häuflein Kirchenbesucher kaum oder gar nicht finden. Wir meinen, die Religion müsse Menschen auffangen. Jesus dagegen reizt sie – er sieht Menschen um sich, die nicht umschlungen, nicht von Liebe erdrückt, sondern frei und mündig sein wollen.” (Klaus Berger: Jesus, S. S. 213)

19. Nov 2008

Red Kite

Bin zur Zeit für ein paar Tage in England und erlebe beim Besuch eines Freundes das internationale Büro einer Gemeindegründungsbewegung in der Muslimischen Welt. Es ist sehr interessant und anregend hier, aber am allermeisten faszinieren mich die Red Kites (Rote Milane), die in großer Anzahl am Himmel ihre Kreise ziehen und rufen (oder singen oder so was)….faszinierend.

Als Kontrast zur Ekklesio-overdose der letzten Wochen, lese ich zur Zeit “Jesus” von Klaus Berger.

Der Mann hat zum Teil faszinierende Gedanken (okay manches ist schräg, aber das Verzeihe ich ihm sehr gerne), da jubiliert dann mein Herz und ich bin so dankbar diesen Jesus zu kennen. Mal sehen, vielleicht werde ich das eine oder andere hier schreiben (wenn´s jemand interessiert).

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