Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen (1)

Dieses berühmt-berüchtigte Zitat ist biblisch. Die Kommunisten sind ja nicht unbedingt bibelfreundlich, aber dieses Zitat fanden, die kommunistischen Väter dann doch so gut, dass es sogar Eingang in der Verfassung der Sowjetunion fand. Arbeit wurde somit „heilig“ gesprochen und zementierte ein Denken, das schon der asketische Protestantismus (Calvinismus) in das religiöse Gewissen in die Menschen hineingelegt hat und seitdem wissen wir alle: „Arbeit macht frei“.

Diese Koalition zwischen Kommunismus und praktiziertem Calvinismus konnte sich im Industriezeitalter sehr gut halten und das Ergebnis war, dass unsere Arbeit zu unserer Identität wurde.

„Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“, wurde so zum nicht hinterfragbaren Leitsatz. Deshalb stört es heute, niemand, dass der Staat Milliarden dafür ausgibt, um zu überprüfen, ob Menschen, die vom Staat Geld bekommen, sich auch wirklich an dieses Prinzip halten. Und gerne sind wir dazu bereit, es diesen Menschen nicht „zu leicht“ zu machen, um an ihr Geld zu kommen, möglicherweise ist die Person nicht bedürftig, sondern nur faul! Faulheit können wir uns nicht leisten, und deshalb ist es uns natürlich einiges Wert.

Die kommunistische Herleitung möchte ich hier nicht weiter vertiefen. Ich will hier auf das biblische Verständnis von Arbeit eingehen, und behaupte: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ hat seine Bedeutung, ist aber nicht Kerngedanke biblischer Anthropologie.

Wir Christen tun uns oft so schwer ein weiteres Verständnis von Arbeit zu bekommen. Vor ein paar Tagen habe ich erwartungsvoll auf der Website der neugegründeten kleinen christlichen AUF-Partei gestöbert und wollte und bin auf ihre Auseinandersetzung mit dem Grundeinkommen gestoßen. Der Parteivorsitzende Dr. Weiblen schreibt:

Prof. Götz Werner fordert seit vielen Jahren ein bedingungsloses Grundeinkommen. Dieser Grundansatz für ein transparentes und vereinfachtes Sozialsystem leuchtet inzwischen mehr und mehr
Politikern quer durch alle Parteien ein. […] Es spart Bürokratie, schafft Eigeninitiative und soziale Gerechtigkeit und markiert die Auffanglinie, unter die in unserem Staat niemand finanziell absinken kann. Das alles ohne die Notwendigkeit beschämender und ausgrenzender Prozeduren. Niemand wird stigmatisiert. Die soziale Sicherung durch Angespartes, Versicherungen und die gegenseitige Verantwortung in der Groß-Familie, dem Freundeskreis und der Nachbarschaft kommen
ergänzend hinzu.

AUF folgt allerdings den Leitlinien der Bibel. Wir wollen den Empfang des Grundeinkommens daran koppeln, dass sich die Empfänger in die Gesellschaft investieren und in der Regel 40 h pro Woche dafür arbeiten. Solche Investitionen können ehrenamtliche Tätigkeiten sein, die Unterstützung von alten Menschen, Nachhilfeunterricht, Mitwirkung in einem Verein, in Umweltprojekten, persönliche Aus- und Weiterbildung. Rentner, minderjährige Kinder sowie kranke Menschen erhalten das Grundeinkommen ohne Arbeitsleistung. Wir nennen deshalb unser Konzept „sozialverantwortliches“ oder „bedingtes“ Grundeinkommen. Neben dem Nutzen für die Gesellschaft wollen wir den Empfängern die Erfahrung der Sinnfindung durch Arbeit, das soziale Miteinander im Arbeitsteam, auch (An-)Forderung und Förderung, die beide mit einer geregelten Arbeit einhergehen, ermöglichen.

Eine andere christliche Stellungnahme findet sich hier und eine  (leicht überzogene) Übersetzung für den Normalmenschen hier.

Als Jesus-Nachfolger und Bibelliebhaber, kann ich jetzt einfach nicht weitermachen. Das stresst mich zu sehr. Ich muss jetzt erst mal Pause mache einen mehrteiligen Beitrag aus dem Post.

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