Wie beten Männer Gott an (2)

Eine Geschichte, die mich sehr berührt hat wurde für mich in den letzten Monaten zu einem Sinnbild dafür wie Männer Gott anbeten können. Sie steht am Ende des Buchs „Der wilde Messias“ von Michael Frost und Alan Hirsch (S. 239 – 242), die ich hier komplett wiedergeben möchte:

„Zwei Männer betreten gemeinsam eine Kneipe…

Zwei Männer in ihren mittleren Jahren treffen sich in einer Kneipe mitten in einem kleinen, unscheinbaren Dorf. Sie schließen sich herzlich in die Arme, ihre harten Hände umschlingen den breiten Rücken des anderen voller Zuneigung. Sie küssen sich zweimal, auf jede Wange. Dann setzen sie sich, um zu essen, zusammengekauert über dem gemeinsamen Tisch wie beim dem Treffen einer Verschwörung. Der Staub auf ihren Gesichtern unterstreicht die Linien um ihre Augen, ihre ergrauten Bärte verraten ihre Jahre. Zwei alte Löwen, Kämpfer, die so manche Schlacht geschlagen haben und immer noch auf ihren Beinen stehen.

Während er sich die Krümel aus dem Bart wischt, sagt der eine mit einem Grinsen: „Du bist aber alt geworden.“ Der andere schaut auf und hebt eine Augenbraue. „Ich meine doch nur“, fährt der Erste fort, „ich habe dich schon lange nicht mehr gesehen und du scheinst älter geworden zu sein in dieser Zeit.“ Erneutes Grinsen. Beide lachen und der erstse Sprecher legt seine Hand auf den Arm seines Freundes. Sein Tonfall wird ernster. „Es sind die vielen Reisen – sie sind so kräftezehrend“, gibt er zu.

„Bei mir ebenso. Und die Enttäuschungen. Ich könnte das Reisen, die schlechten Unterkünfte, die Rückschläge und all das aushalten. Aber diese lähmende Enttäuschung, Kameraden, die sich auf und davon machen, ihre Gruppen verlassen oder unsere Lehren verdrehen – ehrlich – das ist es, was mich fertig macht. Du bist nicht der Erste, der bemerkt, dass mich all das älter macht.“ Er schaut seinen Freund durchdringend an.

„Ja, du siehst sogar sehr alt aus.“ Beide lachen. Stille. Nach einer Weile beginnt der Erste wieder: „Sag mal, Paulus, machen dir die Korinther immer noch Kopfschmerzen? Sind sie der Grund für die grauen Strähnen in deinem Bart?“ „Das ist doch noch gar nichts – Kopfschmerzen und graue Strähnen, Petrus! Hast du nicht gehört? Du willst es gar nicht wissen! Eifersucht, Streit und Spaltungen! Einige haben meine Stellung als Apostel schlichtweg abgelehnt. Sie wollen Leiter, die mehr Gaben vorweisen können als ich sie habe! Ist das zu fassen? Sie verstehen nicht, dass all Weisheit vom Heiligen Geist herkommt. Nach so langer Zeit habe ich es nur mit Babys in Christus zu tun. Und ich will gar nicht anfangen, all ihre Verbrechen aufzuzählen: sexuelle Ausschweifung, sie verklagen sich gegenseitig vor den Richtern, missbrauchen ihre Freiheit und tolerieren, Geschwister, die in Unmoral leben – einfach so. Sie sind stolz auf ihre Geistesgaben, die Gottesdienste sind das reine Chaos – du solltest sie über die Auferstehung reden hören – furchtbar. Und was soll ich dir sagen – sie haben einfach keine Liebe füreinander! Vier! Vier Briefe habe ich ihnen dazu geschrieben und es hat den Anschein, dass alles nur noch schlimmer wird. Ich habe schon darüber nachgedacht, ihnen einfach nicht mehr zu schreiben, um die Diskussion zu beenden. Vielleicht können ja meine Fäuste ihnen das einbläuen, was meine Worte scheinbar nicht vermögen. Hm – du bist bestimmt ein besserer Fautkämpfer, als ich es bin – Lust auf eine Fahrt nach Korinth?“ „Ich bin mir nicht sicher, ob eine Keilerei den Korinthern helfen wird, Kamerad. Obwohl ich mir vorstellen könnte, dich zu begleiten.“ Petrus lächelt aufmunternd.

„Wie geht es der Zellgruppe in Galatien? Hast du was von ihnen gehört?“, fragt Paulus nach einem tiefen Schluck aus seinem Becher. Petrus schüttelt langsam den Kopf. Paulus spricht weiter: „Ihr Glaube war nicht fest genug, um all der Verwirrung standzuhalten, die diese Judenchristen über die Notwendigkeit der Beschneidung verursacht haben. Sie haben dem Evangelium, das ich ihnen gebracht habe, nicht vertraut! Überdies zweifeln sie genau wie die Korinther meine Autorität als Apostel an.“

Und so geht es weiter. Zwei Männer, müde von ihren Reisen, erzählen sich ihre Geschichten, von den neuen Zellgruppen in Kleinasien, Bekehrungen in Europa, Enwicklungen in Griechenland. Am Ende des Abends sagt Paulus: „Petrus, ich bin mir nicht sicher, ob ich dich noch einmal sehen werde…“ „Das sagst du jedes Mal, wenn wir uns treffen.“ „Ich weiß, und darum ist es nicht weniger wahr. Aber nur für den Fall, dass unsere Wege sich nicht mehr kreuzen, kannst du mir noch einmal von ihm erzählen?“ Petrus lächelt traurig: „Oh Paulus – ich habe dir die Geschichten schon hunderttausend Mal erzählt. Du kennst sie inzwischen besser als ich selbst.“

Paulus rutscht auf seinem Stuhl nach vorne und schaut seinen Freund an: „Kamerad, ich wurde geschlagen, verlassen, verraten, bin schiffbrüchig gewesen und für tot gehalten worden. Ich weiß, von keiner Gemeinschaft, die ich gegründet habe, die nicht durch irgendeine Krise geht, egal ob persönlich oder in der Lehre. Ich bin ein alter Mann geworden. Die Revolution ist in vollem Gange, langsam aber sicher kommt sie. Was haben wir nicht schon alles gesehen? Aber es ist manchmal so anstrengend. Ich warte auf den Herrn, wie der Wächter auf das Ende der Nacht wartet. Und weißt du, manchmal frage ich mich, ob aus diesen kleinen Zellgruppen, die wir angefangen haben, jemals die Bewegung werden wird, von der wir träumen. Ja, ich frage mich das. Auch nach allem, was ich gesehen und erlebt habe. Nach allem, was wir gesehen und erlebt haben..“

Er schaut Petrus mit seinen klaren Augen an und sagt nochmals, fast schon flehend: „Erzähle es mir noch einmal.““

Diese Geschichte spiegelt so viel Tiefe des Lebens wider. Egal in welchen geistlichen, beruflichen, persönlichen Herausforderungen wir stecken. Wir brauchen Gefährten mit denen wir uns in einer Tiefe begegnen können und gegenseitig dabei helfen können, uns auf die Person Jesus ausrichten zu können – um immer sagen zu können: Ja, es hat alles einen Sinn!

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2 Kommentare zu „Wie beten Männer Gott an (2)

  1. Letzte Woche hab ich überlegt ob ich mir das Buch kaufen soll… Heute früh hab ich’s bestellt.

    btw. stark das du so viel bloggst, dass motiviert mich

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