Wieder mal was zum G-Thema

Ich wurde gefragt, was eigentlich mein Gemeindeverständnis sei. Ausgerechnet diese Frage – ausgerechnet dieses Thema.

Gemeinde als Wort und dem dahinterstehenden Konstrukt war für mich in den letzten Jahren ein Thema großer innerer Kämpfe und Frustrationen. Ich habe das Wort vermieden wo es nur ging. Ich ging so gar so weit, dass ich die Ekklesiologie als Teil der Dogmatik als völlig überbewertet empfand, ja die Ekklesiologie als Fehlentwicklung der Theologie sah (und eigentlich will ich von dem Gedanken auch nicht ganz abrücken). Der Grund: Gemeinde wird in unseren Köpfen immer zunächst im Sinne von Organisation verstanden. Zwar ist es für viele Christen mittlerweile klar, dass Gemeinde oder Kirche sich nicht auf  eine Gebäude beschränkt. Es geht um das Leben. Allerdings gibt es immer noch einen großen Anteil dann Gemeinde mit Gemeindeleben sprich Gottesdienst gleichsetzen. Und das ist gar nicht so leicht aus den Köpfen zu kriegen.Der zentrale Fokus liegt vielfach auf den Veranstaltungen. Das setzt sich auch  in sog. Hausgemeinden fort: „Wir hatten heute Hauskirche“, habe ich mal vor kurzem auf einem Blog gelesen. Für mich ist Gemeinde aber der Ausdruck gemeinsam geteilter Nachfolge und weniger ein organisatorisches Konstrukt.

Ein kleiner Test: Wenn Du einen Christen kennenlernst, was fragst du dann?

  • In welche Gemeinde gehst du?
  • Zu welcher Gemeinde gehörst du?
  • Mit wem folgst du Jesus nach?
  • Wie folgst du Jesus nach?

Mein Anliegen ist, dass gemeinsame Nachfolge oder Gemeinde sich nicht nur als Milieu oder Subkultur versteht bzw. sich gesellschaftlich darin verortet, sondern, dass sie in dieser Welt einen Anknüpfungspunkt findet, oder um es etwas theologischer zu formulieren, sich inkarmiert. Und das bedeutet an jedem Ort, in jeder Szene etwas anders.

Ich habe den Glauben an eine ideale Gemeinde verloren. Ich glaube, dass Gemeinde eines der abgefahrensten Projekte Gottes ist. Er hat sich so für das Unperfekte entschieden. Gemeinde ist das Unvollkommenste was Gott geschaffen hat und ist gleichzeitig dafür da, ihn in dieser Welt real zu repräsentieren. Das Unvollkommene weist auf den Vollkommenen hin, den Schöpfer des Himmels und der Erde. So etwas kann sich nur Gott erlauben. Und gleichzeitig hat er die Vision, dass diese Gemeinde dann am Ende seine perfekte und bildhübsche Braut darstellt. Das ist sehr steil finde ich.

Ich möchte nicht die ideale Gemeinde suchen und leben. Jede Gemeinde, jeder Nachfolger muss seinen Ausdruck finden, seinen Schwerpunkt, seine Berufung. Jeder hat seine Stärken und seine Herausforderungen:

  • Gott zeigt sich im Unperkfetken seiner Gemeinde und stellt sich sehr bewusst dazu (vgl. Offb 1,12-20)
  • Jede Gemeinde kann nur einen Teil, eine Facette der Gottesfülle darstellen (siehe Sendschreiben). Das bedeutet, dass das Kopieren von Gemeindemodellen und -philosophien in der Regel an der Einzigartigkeit der Nachfolge vor Ort vorbei geht.

Jesus liebt seine Gemeinde und ich will mich dem anschließen. Ich habe bei vielem was ich erlebe große Schmerzen und war in der Vergangenheit gerne bereit, aufgrund dieser Schmerzen Gemeinden zu verurteilen um dadurch gleichzeitig meine Form der Nachfolge zu glorifizieren… bis mir Gott meinen Balken aufzeigte. Aua! So geht es nicht, mein lieber Nachfolger. Was Gott mit sehr viel Respekt behandelt, will ich nicht mit Füßen treten.

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Ein Gedanke zu “Wieder mal was zum G-Thema

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