Ein paar Spots

Zitate aus der Psychologie heute (Ausgabe Juli 2009):

„Haben wir eine Situation nicht mehr völlig im Griff, neigen wir dazu, die wenigen uns bekannten Informationen als vollständiger und bedeutsamer anzusehen, als sie es tatsächlich sind.“

„Besinnen wir uns auf Werte und Dinge, die uns wichtig sind, lässt das Gefühl des Kontrollverlustes nach, und unsere Wahrnehmung der Welt kommt wieder ins Lot.“

(aus dem Artikel: Muster geben Halt)

„Stress ist zwar ein natürlicher Teil unseres Alltags, ein Übermaß an negativem Stress kann aber die neuronalen Schaltkreise langfristig stören.“

(aus dem Artikel: Armut schädigt das Gehirn)

„Heranwachsende mit einem übersteigerten Selbstwertgefühl, das schon an Narzismuss grenzt, reagieren auf eine Erniedrigung deutlich aggressiver als Gleichaltrige mit weniger stark ausgeprägtem Ego.“

(aus dem Artikel: Zu Stolz für Niederlagen)

„Paare, die darauf  vertrauen können, dass es in der Partnerschaft grundsätzlich gerecht zugeht, müssen nicht von Tag zu Tag für Ausgewogenheit kämpfen.“

(aus dem Artikel: Ignorieren, abwarten, argumentieren)

„Antidepressiva sind akute Schmerzmittel für die Seele. Heilen können sie nicht.“

(aus dem Artikel: Helfen Pillen gegen die Schwermut?)

Sind die Amerikaner gute Theoretiker?

Habe gerade einen interessanten Beitrag über „amerikanisches Denken“ gelesen.

„Wenn mal interessante, intellektuell befriedigende Ideen aus den USA kommen (was selten genug der Fall ist), dann stammen sie fast immer von einem Europäer.“ (Fritz B. Simon)

Klingt ja fast rassistisch.. oder ist das eine feine Beobachtung kultureller Unterschiede?

Geniale Tools

In letzter Zeit werden für mich die Errungenschaften des 21. Jahrhunderts immer greifbarer. Zum Beispiel bin ich jetzt nach ein paar Monaten so richtig drin bei Xing. Ein Bekannter meinte anfangs nur: „Du wirst schon schnell merken, wie das greift.“ Ja, Xing ist wirklich sehr genial. Innerhalb unserer Gruppe „Wir in Südthüringen“ gab es sogar schon ein reales Frühstücks-Network-Treffen.

Diese Woche konnte ich dann den Segen einer anderen Plattform kennen lernen: Dopplr. Seit einiger Zeit notiere ich dort meine dienstlichen Reisen, die dann auch auf dem Blog von Bittner & Network erscheinen. Am Montag bekam ich dann aber eine Email von Dopplr, die mir sagte, dass mein Freund Marcus am selben Tag wie ich in Karlsruhe verweilen würde. Ein kurzes Telefonat und unser Treffen war gebongt – sonst brauchen wir manchmal sehr lange um eine Begegnung  möglich zu machen. Es kam dann sogar so, dass wir auf die Minute gleichzeitig in der Stadt ankamen.

Ich bin begeistert!

Weiterbildung – bringt nichts

So lautet der Artikel von Richard Gris in der September-Ausgabe von PSYCHOLOGIE HEUTE. Richard Gris ist ein Pseudonym. Er ist Berater und Trainer und hat ein ein Buch zu diesem Thema veröffentlicht.

Mir gefiel diese etwas sehr reißerische These, dass die Weiterbildungen in Unternehmen unter dem Strich nichts bringen und ich neige dazu, ihm recht zu geben. Widerspreche ich damit meinem gestrigen Beitrag über Coaching? Ich denke nicht.

Richard Gris sieht im wesentlichen 3 Ursachen:

1. Die Persönlichkeit des Mitarbeiters: Jeder Mitarbeiter hat eine eigene Lernhistorie, deshalb wird jede neue Erfahrung auf den Hintergrund einer individuellen Weltwahrnehmung aufgenommen und verarbeitet. Diese Denkrahmen sind nicht so einfach zu verändern.

2. Die Rolle der Vorgesetzten: Aus Zeitgründen erfassen die Vorgesetzten oft nicht den genauen Weiterbildungsbedarf der Mitarbeiter. Das Interesse an einer nachhaltigen Umsetzung bzw. Personalbesetzung fehlt. Ebenso sind sie oft nicht Vorbild in Sachen eigener Entwicklung. 

3. Der alte Trott: Auch wenn sich Personalentwickler viel Gedanken über den Transfer und die Nachhaltigkeit von Weiterbildungen machen, passiert dieser oft nicht – oft aus Kostengründen, weil man oft nicht glaubt, dass die Maßnahmen letztlich wirken.

Wie kann Personalentwicklung und Weiterbildung dann gelingen? Es geht um individuelle Lösungen. Diese werden immer prozesshaft sein müssen, sie müssen ganzheitlich sein, also den ganzen Menschen in seiner komplexen Lebenssituation sehen sehen und mit ihm zusammenarbeiten. Individiuelle Zugänge sind teurer. Aber dafür nützen sie auch.

Coaching darf sein

Vor kurzem erschien in der ZEIT ein Dossier mit dem „Das gecoachte Ich“. Der Beitrag ist sehr lesenswert und setzt sich u. a. damit auseinander, ob Coaching auch wirklich Sinn macht. Mittlerweile ist es in Deutschland normal, seinen Coach zu haben. Noch vor 5 Jahren wurde man deshalb belächelt.

Coaching richtet sich an Personen, deren Selbststeuerungsfähigkeit funktioniert, die gezielt nach systematischer Veränderung oder Perfektionierung streben.

Der Bedarf an Coaching hängt mit der geänderten Arbeitswelt zusammen.

Seit Mitte der 1990er haben sich Organisation, Bedeutung und Sprache der Arbeit radikal verändert. Unternehmen zerfallen oder fusionieren; Jobs tauchen auf und verschwinden wie zusammenhanglose Geschehnisse…. Die neue ökonomische Realität hat eine neue Figur hervorgebracht, die Richard Sennett den »getriebenen Menschen« nennt. Für den französischen Soziologen Alain Ehrenberg ist die psychologische Befindlichkeit dieses Menschen das »erschöpfte Selbst«.

Auch Friedemann Schultz von Thun benennt die Herausforderungen dieser Zeit sehr klar: Das Schachbrett des Lebens ist komplizierter geworden.

Ja, das Leben ist komplex und ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Coaching eine wichtiger und legitimer Zugang ist, mit dieser Komplexität umzugehen. Begrifflichkeiten wie Perfektionierung oder Selbstoptimierung halte ich aber nicht für angebracht. Wir sind immer noch Menschen, und keine Produktionsmittel für Arbeitsprozesse. Ich glaube, dass es sehr menschlich ist, sich persönlich weiter zu entwickeln, darum geht beim Coaching: als gesunde  und stabile Persönlichkeit durch das Unwägbarkeiten des Lebens zu steuern. Es ist einfach gut zu wissen, wer wir sind und was wir können und wollen – früher war das vielleicht eine Option, heute ist das eine Überlebens-Notwendigkeit.

Selbstreflexion ist angesagt

Für alle Freunde optimierter Lebensläufe gibt es auf Karrierebibel einen sehr guten Beitrag und eine profunde Wahrheit: „Karrieristen denken zu linear“.

Karrieristen denken zu linear. Sie haben gelernt, ihre Ziele geradlinig zu verfolgen, zur Not mit dem Kopf durch die Wand. Gefährlich. Je höher ein Mitarbeiter aufsteigt, desto mehr repräsentiert er das Unternehmen und dessen Werte. So lange alles glatt geht, reicht vielleicht auch eine glatte Führungsfigur. Sobald aber Spannungen auftauchen, zählt Substanz. Und die zeigt sich in der Persönlichkeit: Was Unternehmen erfolgreich macht, sind eben nicht hoch bezahlte Arbeitstiere und Windkanal optimierte Mutanten, sondern Menschen, die nicht nur mit dem Verstand führen, sondern auch mit Empathie, die Vorbild sind, Werte leben, quer denken und visionieren.

Um dazu zu kommen braucht es vor allem eins: Selbstreflexion.

Weise Menschen nutzen ihre freie Zeit wenigstens ab und an zur Selbstreflexion, sie klären, was gut war, was verbesserungswürdig, was sie gelernt haben, welche Fehler sie abgelegt, welche Fähigkeiten sie weiterentwickelt haben und was der nächste Schritt sein muss.

Es lebe die Weisheit.

Ach ja, bloggen könnte ich ja auch mal wieder

Langsam wacht in mir wieder das Bedürfnis auf, den einen oder anderen Post abzusetzen. Da ich aber immer wieder mit dem „real existierendem Leben“ konfrontiert bin, das ich im übrigen sehr liebe, „verkommt“ das Bloggen dann manchmal zum Hobby, zum netten Extra in der komplexen Welt.

Ich will hier nur mal ein paar Eckdaten für den Rest vom Mai reinlegen:

1. Kommendes Wochenende werde ich (mit Family) beim Delta-Treffen auf der Wasserkuppe sein. Knapp 50 Erwachsene (+ Kinder) treffen sich, zum gemeinsamen Austausch, Begegnung, Inspiration usw. – Ich werde da einen „Starfish“ Beitrag machen, möchte die „Starfish-Vision“ (hier gibt´s das E-Book) von Wolfgang Simson und „The Starfish and the Spider“  von Brafman und Beckstrom wohlwollend-kritisch diskutieren.

2. Das darauffolgende Wochenende werden wir uns als Meininger Teamfamily von People Movement irgendwo in Hessen zu einem gemeinsamen Wochenende treffen. Da gibt´s was zu feiern und rückbesinnen, denn die Grundlage für die Teamfamily wurde vor 10 Jahren gelegt.

3. Von 27. bis 29. Mai bin ich in verschiedenen Städten in Norddeutschland unterwegs. Für spontane und kurzfristige Begegnungen bin ich offen.

Was auf dem Blog in den nächsten Wochen passiert, weiß ich nicht. Da ich in persönlichen Gesprächen immer wieder kritisch auf das „Grundeinkommen“ angesprochen werde, scheint hier nun eine gründlichere inhaltliche Auseinandersetzung notwendig. Die hatte ich ja schon immer wieder angekündigt, aber aus Zeitgründen dann nie umgesetzt. Ich kündige jetzt also nochmal an: Ab Juni wird es hier eine Serie über das Grundeinkommen geben (also nehmt mich gerne beim Wort)

Hebräisches Denken, Jüdische und christliche Ethik

Wie weit geht unser Verständnis für Hebräisches Denken? Wie hebräisch denken Juden im 21. Jahrhundert? Welche Konsequenzen hat das für die konkrete Ethik?

Aktuelles Beispiel Stammzellenforschung: In Israel herrscht eine große Freiheit in der Forschung mit embryonalen Stammzellen: man beruft sich auf den Talmud.

Nach dem Talmud beginnt das menschliche Leben weder durch die Befruchtung von Ei und Samenzelle noch durch die Geburt, sondern am 40. Tag der Schwangerschaft. In dieser Position jüdischer Gelehrter liegt der entscheidende Unterschied zur christlichen Tradition. (aus tagesschau.de: Warum in Israel liberale Regeln gelten)

In christlich geprägten Ländern wie Deutschland tut man sich oft viel schwerer. Man versucht einen „moralischen Spagat“.

Wann beginnt also das Leben?

Gehen die Israelis da zu pragmatisch mit dieser Frage um?

Wie finden wir hier einen ethisch wertvollen (also das Leben achtenden) Weg? 

Die Bedeutung von Coaching

Coaching in allen Facetten gewinnt immer mehr an Bedeutung…. vor allem im Managementbereich. Hier die Zahlen einer Studie.

Ich glaube, dass Coaching in dieser komplexen Welt eben nicht nur für Manager, sondern für all diejenigen an Bedeutung gewinnen wird, die in dieser Gesellschaft gestalten wollen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Und den einen oder anderen davon, coache ich… (und das mache ich unheimlich gerne).

Spannungsfelder ethischer Entscheidungen

Es ist heutzutage nicht leicht, ethisch wertvolle Entscheidungen zu treffen. Die meisten Entscheidungen lassen sich nicht einfach in richtig oder falsch, gut oder böse kategorisieren. Wenn es so leicht wäre….

Dieses Dilemma greift auch der Artikel „Eine Frage der Moral“ in der ZEIT (Ausgabe vom 6.03.08 ) auf. Ein unbedingt lesenswerter Artikel, der eine ethische Dimension aufzeigt, die wir nicht gerne hören, aber dennoch der stimmig sein kann:

„Von einer Aktiengesellschaft zu fordern, sie solle sich nicht in erster Linie am Wert ihrer Aktien orientieren, ist dagegen ungefähr so, als würde man von einem Rennfahrer verlangen, er solle nicht so schnell fahren. Aktiengesellschaften sammeln die Ersparnisse von Anlegern ein mit dem Versprechen, dieses Geld zu verzinsen und zu vermehren. Das ist ihr Hauptzweck, das ist die Geschäftsgrundlage.“

Bei Aktiengesellschaften geht es also im Kern um die gewinnbringende Verwaltung der Ersparnisse von Anlegern (klar, man könnte auch andere edlere Motive in die Diskussion einwerfen, aber das ist nun mal die Logik dieser Art und Weise ein Unternehmen zu organisieren).

„Die Vorstellung, ein in der Vergangenheit erzieltes Ergebnis müsse dazu verwandt werden, unwirtschaftliche Beschäftigung zu subventionieren, ist irrig.“

Es ist ja gerade der Erfolg von Rationalisierung, immer weniger Arbeitsplätze zu benötigen. Wir werden uns aber damit endlich auseinandersetzen müssen, dass die „sicheren“ Arbeitsplätze der Erwerbsgesellschaft, dauerhaft der Ausnahmezustand bleiben wird. Wir können natürlich einen moralischen Zaun um die „Erwerbsarbeit“ machen und diese höher bewerten, wir können aber auch nach Alternativen suchen, die sich vielleicht für viele noch eher unmoralisch anhören – ich denke hier z. B. an das Konzept des Grundeinkommens.

Zurück zur ethischen Entscheidungsfähigkeit. Ich glaube, dass es auch in dieser komplexen Welt möglich ist, ethisch wertvolle Entscheidungen zu treffen. Für mich persönlich war eine Initialzündung als im Jahr 2004 der damalige Präsident der Bundesbank, Ernst Welteke, zurücktrat, weil er nicht mehr klar hatte, wie eine ethisch wertvolle Entscheidung aussehen könnte. Im Zuge dessen hat die Bundesbank Ethikberater eingestellt, um ihren Führungskräften zur Seite zu stehen. Diese Situation wurde für mich zum Auslöser, mich selbst fit zu machen, andere zu unterstützen, im ethischen Diskurs zu angemessenen Ergebnissen zu kommen. Für mich als Jesus-Nachfolger heißt das, ethische Antworten auf biblischer Grundlage zu finden, ohne jedoch auf biblizistisch-verkürzte Standardantworten zu setzen. Die werden dem Schöpfergott einfach nicht gerecht.