Hoffnungsträger

Über die Unart der Parteiendemokratie habe ich mich an dieser Stelle schon mehrfach ausgelassen. Doch langsam fange ich an, auch am Volk zu zweifeln. Wir wollen nicht wahrhaben, dass unser Held, die Lichtgestalt der Politik, durch Schuljungendummheiten, nicht mehr tragbar ist. Was nicht sein darf, darf nicht sein. Wir wollen uns unsere Poltikhoffnung nicht zerreden lassen. Wer soll denn unser nächster Bundeskanzler werden? Jetzt war mal einer da, der uns den Glauben an die Politk zurückgegeben hat. Und den sollen wir jetzt wieder hergeben? 304.000 Mal geht der Daumen bei Facebook nach oben, wenn „gegen die Jagd auf Guttenberg“ Position bezogen werden soll.

Ein Interview im Deutschlandradio Kultur brachte mich heute zum Nachdenken, nicht weil Guttenberg der Dienstherr von zwei Bundeswehr-Univeritäten ist (das macht die Situation einfach nur skuril).

Rainer Elkar, emeritierter Professor an der Bundeswehr-Universität in München:

„Wir haben in Italien ein Negativbeispiel, wohin die unverhältnismäßige Verehrung eines charismatischen Politikers führen kann, wir brauchen nichts Vergleichbares in Deutschland. Jeder ist ersetzlich, ob er nun Charisma hat oder als unverzichtbar erscheint oder nicht. Und ich glaube, das trifft hier in diesem Fall auch zu.“

„Deutschland und Italien ist nicht in allen Dingen vergleichbar, aber wir sind hier in den Vorhöfen. Wenn eine breite Bevölkerungsmehrheit so etwas zu tragen bereit ist, dann ist mir das unheimlich.“

Mir ist das auch unheimlich. Parteiendemokratie passt mir nicht! Das Volk ist hochgradig irrational! Einen charismatischen Führer lehne ich ab. Aber was dann?

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Musik in Meiningen

Rob Berg ist ein Weltreisender in Sachen Musik. Der Kanadier verweilt in der Regel mehr Zeit in unterschiedlichen Ländern als im heimischen Chilliwack. Sein
e Lieder han
deln von Leidenschaft – inspiriert durch den Glauben an seinen Gott. Er begleitet seine selbstgeschriebenen Lieder mit Gitarre oder Klavier. Musikalisch geht es in die Richtung Folkrock und Balladen.
Diese gute Nachricht lautet: Rob macht Station in Meiningen und zwar am Mittwoch, 10. November 2010 im 19.30 h in der Bethel-Kapelle (Kasernenstr. 5). Und die nächste gute Nachricht lautet: Der Eintritt ist frei.
Dieser Konzertabend macht Mut – für Glaubende, Zweifende, Suchende. Also für alle, die selbst noch auf der Reise sind.
Ich freue mich drauf!
(Hier der Flyer zum Mitnehmen: In-Love-War-Fire-post-2)

Leistung muss sich wieder lohnen

Guide Westerwelle hat sich geschickt in Szene gesetzt und den freien Fall der Umfragewerte seiner Partei gestoppt. Er schafft es zumindest täglich in den Nachrichtenschlagzeilen zu sein und wird in den Talkshows hoch- und runterdiskutiert. Populismus ist eben oft hilfreicher als solide, an den Realitäten orientierte Politik. Das gute daran ist, dass eine Diskussion in Gang gesetzt wird, wie es mit unseren sozialen Sicherungssystemen weitergehen kann und soll. Wenn es zu dieser Diskussion überhaupt kommt. In den medial zugelassenen 30 Sekunden ist eben oft keine grundlegende Situationsanalyse geschweige denn einen Blick ein positiver, gestaltender Blick in die Zukunft möglich. Guido Westewelle hat seinen Slogan gefunden: „Leistung muss sich wieder lohnen“! Prima Satz, kurz, griffig – da will ihm doch nicht wirklich jemand widersprechen. Und vor allem das sog. „bürgerliche“ Lager nickt ganz kräftig mit. Und von „bürgerlich“ zu „konservativ“ zu „christlich“ ist es ja auch nicht mehr so weit. Und dem bibelfesten konservativen Christen kommt dann auch gleich Paulus und sein „wer nicht arbeitet soll auch nicht essen“ in den Sinn.

Das Dumme ist, dass nicht alles was konservativ und bürgerlich daher kommt auch gleich christlich oder biblisch sein muss. In der Westerwelle-HartzIV-Debatte wird das für mich deutlich.

Was ist denn eigentlich Leistung?

  • Wenn eine alleinerziehende Mutter drei Kinder großziehen muss?
  • Wenn ein körperlich Behinderter jeden Tag seinen Alltag in einer Welt gestalten muss, die ihm im wahrsten Sinne des Wortes Steine in den Weg legt?
  • Wenn einem Mann seit 12 Monaten in 100-% Kurzarbeit verbringen muss und sich täglich neu motiviert, nicht den Glauben an sich und seine Möglichkeiten zu verlieren?
  • Wenn es einer gewagt hat, sich selbstständig zu machen und sich seit Jahren am Existenzminimum bewegt?
  • Wenn Menschen bereit sind, sich ehrenamtlich für Kinder und Jugendliche zu engagieren?
  • Wenn ein HartzIV-Empfänger bereits das 7. Bewerbertraining absolviert um zu zeigen, dass er bewerbungs- und arbeitswillig ist?
  • Wenn ein junger Mann ein stattliches Erbe erhalten hat und seine Langeweile auf dem Golfplatz vertreibt?
  • Wenn Menschen Tag für Tag von 8 bis 17 Uhr an ihrem Arbeitsplatz sitzen, obwohl sie innerlich gekündigt haben oder nur Dienst nach Vorschrift machen (was auf die allermeisten zutrifft)?
  • Wenn ein Unternehmen Mitarbeiter entlässt, um den Sharholder-Vaue zu steigern?
  • Wenn man genug Geld hat, um es im Ausland vor dem Finanzamt zu verstecken?

Leistung muss sich wieder lohnen! Genau! Welche Leistung meinen wir? Ja, wir brauchen einen gesellschaftlichen Diskurs darüber und auch darüber, was dann der „Lohn“ der Leistung ist. (Hilft da die Betrachtung der Lebensleistung von Herrn Westerwelle?)

Als Christ möchte ich mich diesen Fragen stellen und will da auch bewusst die Bibel mit zu Rate ziehen.

Was ist denn eigentlich christlich bzw. biblisch?

Was fällt uns zu dieser Thematik in Bezug auf obige Fragen ein? Ich möchte an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, sondern zur Reflexion und Diskussion anregen. Die aktuelle Diskussion jedenfalls hat mich dazu ermutigt, an meiner theologischen Serie „Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen“ (bisherige Folgen 1, 2, 3, 4, 5, 6) weiter zu schreiben.

Herr Klontik und Rademann

Kürzlich habe ich von einer Band mit dem interessanten Namen „Herr Klontik und Rademann“ gehört. Da die Musiker aber weder Klontik noch Rademann heißen, weckte das natürlich mein Interesse – wahrscheinlich ging das nur mir so, denn meine Leser wissen natürlich, dass „Herr Klontik und Rademann“ der die Protagonisten der Kurzgeschichte „Wein auf Lebenszeit“ von Kurt Kusenberg sind. Ich jedenfalls habe diese wunderbare Geschichte auf diesem Weg kennen gelernt. Unbedingt lesen (unter der Rubrik „Story“).

Zitate zum Leben

Hier mal unkommentiert drei Zitate:

„Wir sind nicht automatisch lebendig, wir müssen es immer wieder von neuem werden.

Frithjof Bergmann

„Das Leben ist ein Deal. Auf immer mehr unterschiedlichen Ebenen. Und diese Deals muss man sehr ernst nehmen!“

Matthias Horx

Ich bin gekommen, um ihnen das Leben zu geben, Leben im Überfluss.

Jesus

Coaching darf sein

Vor kurzem erschien in der ZEIT ein Dossier mit dem „Das gecoachte Ich“. Der Beitrag ist sehr lesenswert und setzt sich u. a. damit auseinander, ob Coaching auch wirklich Sinn macht. Mittlerweile ist es in Deutschland normal, seinen Coach zu haben. Noch vor 5 Jahren wurde man deshalb belächelt.

Coaching richtet sich an Personen, deren Selbststeuerungsfähigkeit funktioniert, die gezielt nach systematischer Veränderung oder Perfektionierung streben.

Der Bedarf an Coaching hängt mit der geänderten Arbeitswelt zusammen.

Seit Mitte der 1990er haben sich Organisation, Bedeutung und Sprache der Arbeit radikal verändert. Unternehmen zerfallen oder fusionieren; Jobs tauchen auf und verschwinden wie zusammenhanglose Geschehnisse…. Die neue ökonomische Realität hat eine neue Figur hervorgebracht, die Richard Sennett den »getriebenen Menschen« nennt. Für den französischen Soziologen Alain Ehrenberg ist die psychologische Befindlichkeit dieses Menschen das »erschöpfte Selbst«.

Auch Friedemann Schultz von Thun benennt die Herausforderungen dieser Zeit sehr klar: Das Schachbrett des Lebens ist komplizierter geworden.

Ja, das Leben ist komplex und ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Coaching eine wichtiger und legitimer Zugang ist, mit dieser Komplexität umzugehen. Begrifflichkeiten wie Perfektionierung oder Selbstoptimierung halte ich aber nicht für angebracht. Wir sind immer noch Menschen, und keine Produktionsmittel für Arbeitsprozesse. Ich glaube, dass es sehr menschlich ist, sich persönlich weiter zu entwickeln, darum geht beim Coaching: als gesunde  und stabile Persönlichkeit durch das Unwägbarkeiten des Lebens zu steuern. Es ist einfach gut zu wissen, wer wir sind und was wir können und wollen – früher war das vielleicht eine Option, heute ist das eine Überlebens-Notwendigkeit.