Michael L.

In den letzten Tagen wurde ich schon unruhig. Es muss jetzt schon vier Wochen her sein, dass ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Wir hatten bei den letzten Treffen häufiger als sonst, darüber gesprochen, wie der Weg in die Entziehungskur aussehen könnte. Ob er es tatsächlich gewagt hat, sich in stationäre Behandlung nach Hildburghausen zu begeben? Oder….

Heute habe ich einen Kumpel von ihm getroffen. Ach, der sei gestorben – schon vor drei Wochen oder so. Ich weiß, dass ich zu den wichtigsten Menschen in seinem Leben gehört habe. Oft hat wie ein kleines Kind geweint, als er von dunklen in Stunden in seinem Leben erzählt hatte: über die Schmerzen und Verletzungen in seiner Kindheit und als junger Erwachsener. Schmerzen, die er irgendwann nur noch mit dem Alkohol ertränken konnte. Er sagte immer wieder, dass er vor nichts Angst hätte – auch nicht vor dem Tod. Aber das stimmte nicht: die größte Angst, war die Vorstellung ohne Alkohol zu leben. Er kannte sein übles Gefängnis und er fand keinen Weg heraus. Michael L. war wohl einer der auffälligsten Menschen in Meiningen: Sein ständig wachsender Hals wurde zu seinem Markenzeichen. Einmal hatten wir davon gesprochen, wie es wäre, wenn ich ein Buch über sein Leben schreiben würde. „Pelikano“ wollte er es in Anspielung an seinen Hals nennen. Manchmal gab er sich aber auch den Spitznamen „Gurkenhals“.

Michael war ein Überlebenskünstler – er hatte sich ein Beziehungsnetz geschaffen, dass ihm Monat für Monat dazu brachte, zu überleben. Natürlich gerieten wir auch regelmäßig aneinander, wenn ich mal wieder bei seinen Spielchen nicht mitmachte. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, ob unsere letzte Begegnung „im Guten“ oder „im Streit“ endete – weil wir beide wussten, dass die Auseinandersetzungen nie tiefere Gräben zwischen uns gerissen haben.

Michael war ein faszinierender Mensch  – sehr klug. Aber man unterschätzte in regelmäßig. Klar, was kann man erwarten von einem Alkoholiker, der davor bekannt war, dass er sein hochprozentiges in der Edeka-Tüte ständig bei sich herum trug, erwarten. Es muss im Jahr 2006 gewesen sein, als er mir das erste Mal im Bus bewusst auffiel. Seine strahlenden blauen Augen passten so gar nicht zu seinem Äußeren – er war eine interessante Erscheinung. Ich nahm mir vor, ihn irgendwann anzusprechen. Das hat er mir bei unseren Streits immer wieder vorgeworfen: „Du hast mich doch damals im Bus angesprochen.“. Als ob das die Legitimation dafür wäre, dass er alles von mir kriegen könnte. Aber genau das war Michael. Das Strahlen in den Augen verschwand aber in den letzten Monaten zusehends.

Waren es nun irgendwelche Organe, die 20 Jahre Alkoholmissbrauch nicht länger aushielten oder der Hals, der ihm das Atmen immer schwerer machte – was ihn letztlich umbrachte, weiß ich nicht – gestorben ist er im Krankenhaus. Wann er beerdigt wurde weiß ich nicht. Wer auf der Beerdigung war, das weiß ich auch nicht. Auch nicht, was über ihn gesprochen wurde. Gab es eine Todesanzeige? Vielleicht.

Es tut mir weh, dass es niemanden gab, der mich über seinen Tod informierte. Aber wer hätte das auch tun sollen? Seine Welt und meine Welt hatten sonst keinerlei Berührungspunkte. Deshalb erinnere ich mich heute auf diese Weise an ihn.

Michael, Du fehlst mir. Ich werde Dich nicht vergessen!

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Butcherakis-Gespräch (1): Der Prediger zum Mieten

Es ist so, dass ich manchmal gerne öfters über interessante Menschen und Projekte berichten würde, was aber oft durch akute Schreibblockaden verhindert wird. Hilfreich ist es, dass ich letztes Jahr zum Geburtstag eine Videokamera geschenkt bekommen habe und so nutze ich jetzt die Gelegenheit, als erstes diese Person zu interviewen, der ich relativ oft im Büro gegenüber sitze: Martin Preisendanz. Ich habe ihn über „Rent a Preacher“ und „Exercise“ befragt.

Link: butcherakis im Gespräch mit Martin Preisendanz

(Das mit dem Einbetten des Videos hat noch nicht wirklich geklappt, ich werde mich um eine Lösung bemühen. Oder kann mir jemand sagen, warum ein Teil des HTML-Codes beim Speichern einfach verschwindet?)

Können Professoren die Welt verändern?

Was ist deine Vorstellung, wenn du an Professoren denkst? Weltfremd, entrückt mit Ideen, die nichts mit der wirklichen Welt zu tun haben. Das ist doch so die erste Assoziation. Ich erinnere mich an die Tage als der Gerd noch Bundeskanzler war und imWahlkampf die Ideen zur Steuervereinfachung von „diesem Professor aus Heidelberg“ vom Tisch wischte. Das ist die Arroganz des Establishments, die Professoren wohl immer wieder begegnen. Das ist wohl auch das Los dieser Menschen, da sie es einfach leisten können jenseits der Konventionen zu denken und bestehende Verhältnisse radikal in Frage zu stellen.

Ich habe jetzt realisiert, dass es Professoren waren, die mich in den letzten Jahren massivst ermutigt haben und alten Denkrastern auszubrechen. Der erste war Mohammad Yunus (noch bevor der den Friedennobelpreis erhielt). Sein Buch „Banker to the Poor“ hat mich unheimlich inspiriert, als den typischen Rastern des Sozialen Unterstützungsdenken auszubrechen (es fiel mir nicht schwer, obwohl ich studierter Sozialpädagoge bin). Ich sehe in den Ansätzen des „social entrepreneurship“ eine echte Chance im Umgang mit globalen sowie lokalen Herausforderungen. Der nächste VISION SUMMIT- Kongress in Berlin, der von Yunus mit initiiert wurde, stellt sich der Herausforderung, die nächste Mauer zum Fallen zu bringen: Es geht um die Mauer der Armut. Und obwohl ich das Engagement von Bono und Bill Gates für Afrika nicht gering schätzen will, sehe ich in den Ansätzen des „social entrepreneurship“ zum ersten Mal real die Chance, dass grundsätzliche Entwicklungen zu Bekämpfung der Armut denkbar sind.

Der nächste Professor ist Götz Werner. Der Gründer der Drogeriemarktkette dm und Lehrstuhlinhaber am Karlsruher Insitut für Entrepreneurship hat u. a. mit seinem Buch „Einkommen für Alle“ eine wichtige Grundlage für die Gedanken rund um das Bedingungslose Grundeinkommen gelegt. Leser dieses Blogs wissen, dass ich mich seit geraumer Zeit sehr mit den Gedanken des Grundeinkommens identifiziere und glaube, dass in diesen Utopien wesentliche Impulse für die Gestaltung der (sozialen) Zukunft in unserem Land stecken.


Letzte Woche kam dann noch eine dritte Person dazu. Es ist Günter Faltin. Faltin ist Unternehmer und Gründer des Arbeitsbereichs Entrepreneurship an der Freien Uni in Berlin. Sein Buch „Kopf schlägt Kapital“ ist mir in den letzten Wochen immer wieder  begegnet. Letze Woche habe ich es gekauft und gelesen….und ich bekomme jetzt beim Schreiben noch Herzklopfen. Es ist mein Buch des Jahres! Es hat für mich soviel Inspiration und Ermutigung für wahrscheinlich eine lange Zeit. Der Untertitel des Buches: „Die ganz andere Art ein Unternehmen zu gründen. Von der Lust ein Entrepreneur zu sein“ sagt schon sehr viel über die Gedanken Faltins aus. In vielem spricht er mit aus dem Herzen und er macht vor allem Lust darauf Entrepreneur zu werden. Faltin ist eine echte Vaterfigur für Entrepreneure und solche, die es werden wollen. Er wird konkret und stellt viele Ressourcen zur Verfügung. Zum Inhalt werde ich mich in den nächsten Wochen an unterschiedlichen Stellen noch äußern.

Danke Herr Yunus, Herr Werner und Herr Faltin. Sie sind meine Helden der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts. Danke für alle Profs, die ich nicht kenne, die aber bereit sind ausserhalb der Konventionen zu denken und zu handeln! Ich nehme die Impulse gerne auf, arbeite damit weiter, inspiriere andere und lass mich weiter inspirieren.

Ja, ich blogge sehr langsam

An meiner grundsätzlichen Blog-Philosophie ändert sich natürlicht nichts. Dennoch spüre ich zunehmend, dass meine mentalen Kapazitäten deutlich größer sind als die zeitlichen. Und so ziehen seit monatliche wichtige und wichtigste Themen und Gedanken durch meinen Kopf und schaffen es nicht hier herein. Das ist natürlich tragisch, weil wir dadurch die Welt schon ein bisschen besser machen könnten.

Noch schlimmer erscheint mir aber, dass ich nicht auf wichtige Entwicklungen hinweisen kann, die in meinem engsten Umfeld passieren. Deshalb folgt jetzt ein kleines Telegramm:

Marcus Splitt hat sein erstes Buch veröffentlicht, für das er gleich einen Preis gewonnen hat. Der Titel: „Kontextualisierung im postmodernen Pluralismus“, zu beziehen am besten direkt beim Autor. Herzlichen Glückwunsch zum Buch und Preis nochmals an dieser Stelle.

Und Glückwünsche auch an Axel Brandhorst. Sein Geschäftsblog ist nun aktiv.

Martin Preisendanz hat die multimediale Lehrserie „Exercise“ entwickelt, das stecken sehr wertvolle geistliche Impulse drin.Das Anliegen von„Exercise“ ist es, Menschen eine praxisrelevante auf die Bibel bezogene Lebensgrundlage zu geben und sie für ein aktiv-gestaltendes Leben in der Gesellschaft zu befähigen. (Achtung: ist nur für Leute gedacht, die weiter kommen wollen).

Kinderstadt

Seit Sonntag läuft in Meiningen die Kinderstadt. Das Meininger Tageblatt begleitet dieses Projekt wie immer mit ausführlichen Berichten wie diesem. Bereits zum 4. Mal kann dieses Projekt starten und wie immer haben wir zwei Monate zuvor noch keinen Cent dafür und am Ende stehen die Finanzen. Dank Spendern wie DIR. Hier geht es zu den Bankdaten – viel Spaß beim Investieren in die nächste Generation.

Ich mag Bono

Heute morgen habe ich ein Interview mit Bono gehört. Ich mag ihm, ich mag, wie er positiv und gewinnend, über Angela Merkel, die deutsche Regierung und über die Menschen in Deutschland spricht. Er ist ein echter Kommunikator und achtet darauf, dass Afrika bei den „Großen“ nicht in Vergessenheit gerät.

Ich mag auch seine Einstellung zur Religiösität:

“I often wonder if religion is the enemy of God. It’s almost like religion is what happens, when the Spirit has left the building.” (aus: Pro-Blog)

Und ich liebe die Musik von U2 (und werde sie irgendwann auch live erleben).