Leistung muss sich wieder lohnen

Guide Westerwelle hat sich geschickt in Szene gesetzt und den freien Fall der Umfragewerte seiner Partei gestoppt. Er schafft es zumindest täglich in den Nachrichtenschlagzeilen zu sein und wird in den Talkshows hoch- und runterdiskutiert. Populismus ist eben oft hilfreicher als solide, an den Realitäten orientierte Politik. Das gute daran ist, dass eine Diskussion in Gang gesetzt wird, wie es mit unseren sozialen Sicherungssystemen weitergehen kann und soll. Wenn es zu dieser Diskussion überhaupt kommt. In den medial zugelassenen 30 Sekunden ist eben oft keine grundlegende Situationsanalyse geschweige denn einen Blick ein positiver, gestaltender Blick in die Zukunft möglich. Guido Westewelle hat seinen Slogan gefunden: „Leistung muss sich wieder lohnen“! Prima Satz, kurz, griffig – da will ihm doch nicht wirklich jemand widersprechen. Und vor allem das sog. „bürgerliche“ Lager nickt ganz kräftig mit. Und von „bürgerlich“ zu „konservativ“ zu „christlich“ ist es ja auch nicht mehr so weit. Und dem bibelfesten konservativen Christen kommt dann auch gleich Paulus und sein „wer nicht arbeitet soll auch nicht essen“ in den Sinn.

Das Dumme ist, dass nicht alles was konservativ und bürgerlich daher kommt auch gleich christlich oder biblisch sein muss. In der Westerwelle-HartzIV-Debatte wird das für mich deutlich.

Was ist denn eigentlich Leistung?

  • Wenn eine alleinerziehende Mutter drei Kinder großziehen muss?
  • Wenn ein körperlich Behinderter jeden Tag seinen Alltag in einer Welt gestalten muss, die ihm im wahrsten Sinne des Wortes Steine in den Weg legt?
  • Wenn einem Mann seit 12 Monaten in 100-% Kurzarbeit verbringen muss und sich täglich neu motiviert, nicht den Glauben an sich und seine Möglichkeiten zu verlieren?
  • Wenn es einer gewagt hat, sich selbstständig zu machen und sich seit Jahren am Existenzminimum bewegt?
  • Wenn Menschen bereit sind, sich ehrenamtlich für Kinder und Jugendliche zu engagieren?
  • Wenn ein HartzIV-Empfänger bereits das 7. Bewerbertraining absolviert um zu zeigen, dass er bewerbungs- und arbeitswillig ist?
  • Wenn ein junger Mann ein stattliches Erbe erhalten hat und seine Langeweile auf dem Golfplatz vertreibt?
  • Wenn Menschen Tag für Tag von 8 bis 17 Uhr an ihrem Arbeitsplatz sitzen, obwohl sie innerlich gekündigt haben oder nur Dienst nach Vorschrift machen (was auf die allermeisten zutrifft)?
  • Wenn ein Unternehmen Mitarbeiter entlässt, um den Sharholder-Vaue zu steigern?
  • Wenn man genug Geld hat, um es im Ausland vor dem Finanzamt zu verstecken?

Leistung muss sich wieder lohnen! Genau! Welche Leistung meinen wir? Ja, wir brauchen einen gesellschaftlichen Diskurs darüber und auch darüber, was dann der „Lohn“ der Leistung ist. (Hilft da die Betrachtung der Lebensleistung von Herrn Westerwelle?)

Als Christ möchte ich mich diesen Fragen stellen und will da auch bewusst die Bibel mit zu Rate ziehen.

Was ist denn eigentlich christlich bzw. biblisch?

Was fällt uns zu dieser Thematik in Bezug auf obige Fragen ein? Ich möchte an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, sondern zur Reflexion und Diskussion anregen. Die aktuelle Diskussion jedenfalls hat mich dazu ermutigt, an meiner theologischen Serie „Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen“ (bisherige Folgen 1, 2, 3, 4, 5, 6) weiter zu schreiben.

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Winter pur

Eigentlich bin ich nicht der Winter-Typ (abgesehen vom Farb-und Stiltyp), aber ich brauche ihn nicht oder nur sehr kurzzeitig für mein ganzheitliches Wohlbefinden. Von der Grundtendenz ist der Winter für mich also eher zu nass und zu kalt. Vor allem DIESER Winter. Ich verstehe aber, dass meine Umwelt davon ganz angetan ist. Und irgendwie ganz tief in mir, finde ich es schön, so einen Winter pur zu haben. Das passt eigentlich zu mir. Wo ich doch das „Reine“ auch sonst so liebe. Z. B. beim Bier, das ich am liebsten unverdünnt genieße. Oder den Kaffee. Kaffee muss schwarz sein, dass weiß ja jeder. Pur eben, sonst ist es ja ein Mich-Mix-Getränk und kein Kaffee. Mittlerweile finde ich sogar einen Zugang zur Milch, dank meines Nachbarn, der so oft auf Reisen ist und wir dadurch in den Genuss seiner echten puren Biomilch kommen.

Mit dem Winter pur bin ich also einverstanden, sofern wir dann auch einen Sommer pur bekommen. Das wäre so meine Bedingung. Ich mag es halt pur – ihr wisst schon.

Noch tiefer in mir entdecke ich aber noch Facetten an mir, die ich gar nicht pur mag. Zum Beispiel die politische Einstellung. Jede Partei in seiner Reinform ist für mich unerträglich. So bin ich also politisch eher ein christ-sozial-liberaler Grüner (oder so was in der Art) und fühle mich natürlich durch keine Partei in seiner Reinform vertreten, weswegen ich auch nicht mehr wählen gehe. Ich will an dieser Stelle nicht schon wieder über die Parteiendemokratie lamentieren, aber wir müssen uns bewusst machen, dass es bis zur nächsten Bundestagswahl nur noch gut drei Jahre sind. Wir müssen also jetzt schauen, dass der Wind sich dreht. Zum Beispiel in Richtung Grundeinkommen. Hartz IV liegt verwundet da. Wie soll es weitergehen? Jetzt ist doch die Chance für das Grundeinkommen. Jetzt muss der Widerstand gegen HartzIV mobilisiert und eine Alternative schmackhaft gemacht werden. Nein, ich glaube, dass unsere Gesellschaft noch nicht reif für ein pures Grundeinkommen ist, aber in die Richtung sollte sich zumindest etwas bewegen.

Es gibt übrigens noch viel mehr, was ich pur nicht mag. Aber alles kann ich in diesen Artikel auch nicht reinpacken. Ich mach´mir erst mal einen Kaffee und schau, was der Winter draußen so treibt.

Butcherakis-Gespräch (1): Der Prediger zum Mieten

Es ist so, dass ich manchmal gerne öfters über interessante Menschen und Projekte berichten würde, was aber oft durch akute Schreibblockaden verhindert wird. Hilfreich ist es, dass ich letztes Jahr zum Geburtstag eine Videokamera geschenkt bekommen habe und so nutze ich jetzt die Gelegenheit, als erstes diese Person zu interviewen, der ich relativ oft im Büro gegenüber sitze: Martin Preisendanz. Ich habe ihn über „Rent a Preacher“ und „Exercise“ befragt.

Link: butcherakis im Gespräch mit Martin Preisendanz

(Das mit dem Einbetten des Videos hat noch nicht wirklich geklappt, ich werde mich um eine Lösung bemühen. Oder kann mir jemand sagen, warum ein Teil des HTML-Codes beim Speichern einfach verschwindet?)

Ein bisschen drängeln…

Es sind nur noch drei Jahre bis zur nächsten Bundestagswahl. Wir brauchen nicht nur politische Alternativen, sondern auch Gesellschaftliche. Die Gedanken um das Bedingungslose Grundeinkommen, sind sicherlich das Ende der Fahnenstange oder das Paradies. Es ist vielmehr ein Weg, neue Richtungen und Perspektiven zu eröffnen. Gerade auch auf dem Gebiet unserer politischen Kultur. Ich sehe eine realistische Chance, dass die Parteien- und Lobbyisten-demokratie dadurch aufgeweicht werden könnte. Jedenfalls ist es noch ein langer Weg.

Vor einiger Zeit kam ein sehenswertes Film-Essay von Daniel Häni und Enno Schmidt heraus, das ein guter Aufhänger für eine weitere Diskussion sein könnte: Der Film mit dem schlichten Namen: GRUNDEINKOMMEN.

„Ein Film über das Zukunftsthema, das jeden angeht. Eine neue Art von Einkommen, bedingungslos für alle. Das löst Emotionen auf und viele Fragen. Mehr Möglichkeiten zur eigenen Initiative? Oder der Untergang der Leistungsgesellschaft? Und wie soll es bezahlt werden? Der Film mischt Festgefahrenes auf, zeigt Überraschendes, lässt mit- und weiterdenken. Nehmen wir das Ganze doch einmal persönlich. Der Film folgt der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens, einer Idee, die neue Energien in alle gesellschaftliche Bereiche bringt.“

Dieser Film wird am kommenden Freitag, 05. Febr. 2010 um 19.30 h im Workflow Meiningen (Nonnenplan 7, 2. OG) aufgeführt. Und dazu lade ich (nicht nur die Fans des Grundeinkommens) herzlich ein.

Mal intensiver über Jesus nachdenken

Einen theologischen Leckerbissen bietet vom 29. bis 31. Januar 2010 die Pionierakademie in Meiningen. Klaus Berger hält eine Wochenendvorlesung in Christologie. Klaus Berger ist den aufmerksamen Lesern dieses Blogs sicherlich ein Begriff, da ich schon einige Zitate aus seinem Buch „Jesus“ von ihm verarbeitet habe (siehe Beiträge „Gott ist peinlich“ und „Jesus und die Altruisten“). Klaus Berger ist keine unumstrittene Person. Er kann provozieren und kann kann mitunter recht katholisch daher kommen. Es gibt Gebiete wo ich ihm gänzlich widersprechen würde und es gibt Aussagen und Herleitungen bei denen ich sagen kann, dass ich noch nie so geniale Sachen gelesen haben. Also zusammengefasst: Klaus Berger lässt einen nicht kalt, er bürstet gegen den Strich. Irgendwas in der Richtung wird uns auch in Meiningen erwarten. Nähere Infos zur Veranstaltung gibt es hier. Für diejenigen, die kein ganzes Wochenende investieren wollen (warum eigentlich nicht?), gibt es auch noch eine kostenlose Abendveranstaltung zum Thema „Was können moderne Menschen mit Jesus anfangen?“.

Wieder mal was zum G-Thema

Ich wurde gefragt, was eigentlich mein Gemeindeverständnis sei. Ausgerechnet diese Frage – ausgerechnet dieses Thema.

Gemeinde als Wort und dem dahinterstehenden Konstrukt war für mich in den letzten Jahren ein Thema großer innerer Kämpfe und Frustrationen. Ich habe das Wort vermieden wo es nur ging. Ich ging so gar so weit, dass ich die Ekklesiologie als Teil der Dogmatik als völlig überbewertet empfand, ja die Ekklesiologie als Fehlentwicklung der Theologie sah (und eigentlich will ich von dem Gedanken auch nicht ganz abrücken). Der Grund: Gemeinde wird in unseren Köpfen immer zunächst im Sinne von Organisation verstanden. Zwar ist es für viele Christen mittlerweile klar, dass Gemeinde oder Kirche sich nicht auf  eine Gebäude beschränkt. Es geht um das Leben. Allerdings gibt es immer noch einen großen Anteil dann Gemeinde mit Gemeindeleben sprich Gottesdienst gleichsetzen. Und das ist gar nicht so leicht aus den Köpfen zu kriegen.Der zentrale Fokus liegt vielfach auf den Veranstaltungen. Das setzt sich auch  in sog. Hausgemeinden fort: „Wir hatten heute Hauskirche“, habe ich mal vor kurzem auf einem Blog gelesen. Für mich ist Gemeinde aber der Ausdruck gemeinsam geteilter Nachfolge und weniger ein organisatorisches Konstrukt.

Ein kleiner Test: Wenn Du einen Christen kennenlernst, was fragst du dann?

  • In welche Gemeinde gehst du?
  • Zu welcher Gemeinde gehörst du?
  • Mit wem folgst du Jesus nach?
  • Wie folgst du Jesus nach?

Mein Anliegen ist, dass gemeinsame Nachfolge oder Gemeinde sich nicht nur als Milieu oder Subkultur versteht bzw. sich gesellschaftlich darin verortet, sondern, dass sie in dieser Welt einen Anknüpfungspunkt findet, oder um es etwas theologischer zu formulieren, sich inkarmiert. Und das bedeutet an jedem Ort, in jeder Szene etwas anders.

Ich habe den Glauben an eine ideale Gemeinde verloren. Ich glaube, dass Gemeinde eines der abgefahrensten Projekte Gottes ist. Er hat sich so für das Unperfekte entschieden. Gemeinde ist das Unvollkommenste was Gott geschaffen hat und ist gleichzeitig dafür da, ihn in dieser Welt real zu repräsentieren. Das Unvollkommene weist auf den Vollkommenen hin, den Schöpfer des Himmels und der Erde. So etwas kann sich nur Gott erlauben. Und gleichzeitig hat er die Vision, dass diese Gemeinde dann am Ende seine perfekte und bildhübsche Braut darstellt. Das ist sehr steil finde ich.

Ich möchte nicht die ideale Gemeinde suchen und leben. Jede Gemeinde, jeder Nachfolger muss seinen Ausdruck finden, seinen Schwerpunkt, seine Berufung. Jeder hat seine Stärken und seine Herausforderungen:

  • Gott zeigt sich im Unperkfetken seiner Gemeinde und stellt sich sehr bewusst dazu (vgl. Offb 1,12-20)
  • Jede Gemeinde kann nur einen Teil, eine Facette der Gottesfülle darstellen (siehe Sendschreiben). Das bedeutet, dass das Kopieren von Gemeindemodellen und -philosophien in der Regel an der Einzigartigkeit der Nachfolge vor Ort vorbei geht.

Jesus liebt seine Gemeinde und ich will mich dem anschließen. Ich habe bei vielem was ich erlebe große Schmerzen und war in der Vergangenheit gerne bereit, aufgrund dieser Schmerzen Gemeinden zu verurteilen um dadurch gleichzeitig meine Form der Nachfolge zu glorifizieren… bis mir Gott meinen Balken aufzeigte. Aua! So geht es nicht, mein lieber Nachfolger. Was Gott mit sehr viel Respekt behandelt, will ich nicht mit Füßen treten.