Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen (5)

Inwieweit veränderte der Sündenfall das Verhältnis Gott-Mensch-Arbeit? Es geht um die Fragestellung von Fluch oder Segen der Arbeit.

Zunächst gilt festzuhalten, dass Gott nie die Arbeit oder den Menschen verflucht hat, sondern den Erdboden (1Mo 3, 17). Der Mensch ist also indirekt vom Fluch betroffen, da die Dornen und Disteln, das bebauen mühsam machen . Interessanterweise nimmt Gott nach dem Sündenfall, den ursprünglichen Auftrag aus 1Mo 2, 5 wieder auf, in dem er hier bei der Vertreibung der Menschen aus dem Garten Eden wieder davon spricht, dass der Mensch den Erdboden bebauen soll (1Mo 3, 23), allerdings anders konnotiert . Hier zeigt sich m. E. eine deutliche Weiterführung des Ursprungsauftrags Gottes, trotz dieses grundlegenden Vertrauensbruchs. Was aber deutlich wird, ist dass die Arbeit von nun an in gewisser Weise auch zur Last wird – „ein Gedanke, der von hier an das biblische Zeugnis von der Arbeit ständig begleitet“ (Helmut Burkhardt) .

Im mosaischen Gesetz setzt Gott selbstverständlich voraus, dass der Mensch arbeitet. Was Gott ausdrücklich festlegen muss, ist dass der Mensch einen Rhythmus von Arbeit und Ruhe einhält, wie es im Sabbatgebot zum Ausdruck kommt. „Damit wird aber nicht nur die Begrenztheit der Arbeit, sondern letztlich auch sie selbst als etwas Natürliches, dem Menschen entsprechendes angesehen.(H. Burkhardt)“ Dieses Ruhegebot, gibt dem Menschen die Chance, sich nicht an die Arbeit zu verlieren, sondern animiert ihn auch die Schöpfung Gottes zu genießen (vgl. 1Mo 2, 3).

Die Weisheitsliteratur zeigt das Spannungsfeld von Last und Schöpfungsauftrag sehr deutlich. Die Aussagen scheinen manchmal „einem gewissen Lebenspessimismus Ausdruck zu geben“ (H. Burkhardt)  :

Die Tage unserer Jahre sind siebzig Jahre, und, wenn in Kraft, achtzig Jahre, und ihr Stolz ist Mühe und Nichtigkeit, denn schnell eilt es vorüber, und wir fliegen dahin. (Ps 90, 10)

Diese Grundstimmung wird aber durch den Schlussvers wieder aufgelöst, wo es heißt:

Die Freundlichkeit des Herrn, unseres Gottes, sei über uns und festige über uns das Werk unserer Hände! Ja, das Werk unserer Hände, festige du es! (Ps 90, 17)

Dieses Spannungsfeld von Last und Mühen einerseits und schöpfungsgemäßer Natürlichkeit , kann man wohl als eine Grundlinie in der Bibel erkennen.

Sehr selbstverständlich berichtet die Bibel davon, dass eigene Arbeit dazu dienen soll den Lebensunterhalt des eigenen Haushalts zu bestreiten. Das AT macht deutlich, dass der Erfolg darin von mehreren Faktoren abhängig ist. Diese werden wir in der nächsten Folge anschauen.

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Wahrscheinlich kein Gott in Deutschland

Vor einiger Zeit lief in Großbritannien eine Buskampagne von Atheisten („There is probably no God…“).  Eine ähnliche Kampagne wollen Atheisten nun auch in Deutschland starten. Doch das scheint gar nicht einfach. Die Busunternehmen haben kein Interesse daran, ihre Busse mit atheistischer Werbung zu bekleben. Also entschied man sich einen eigenen Bus zu chartern und mit ihm durch Deutschland zu touren. Was ist lustig finde, ist dass die deutschen Atheisten, da nach etwas gründlicher sind als ihre britischen Vorbilder. Ging man auf der Insel noch davon aus, dass es „wahrscheinlich“ keinen Gott gebe, wird man hierzulande konkreter: „Es gibt – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – keinen Gott“.

Ein paar Anmerkungen dazu:

  1. Es lebe die deutsche Gründlichkeit. „Wahrscheinlich“ ist zu lasch, lässt zu viele Hintertürchen offen. Die deutsche Formulierung liefert doch eine nahezu wissenschaftliche Klarheit.
  2. Das schlechte Kopieren, von anderswo erfolgreichen Konzepten können nicht nur Christen, sondern auch Atheisten.
  3. Da Gott ein Gott der Unmöglichkeiten ist, wird es ihm besonders Freude bereiten, den Menschen in Deutschland im unwahrscheinlichsten Moment zu begegnen. Entdecke die Unmöglichkeiten.

Gott ist peinlich

In den letzten Wochen beschäftige ich mich immer wieder damit, was Jesus-Nachfolge bedeutet. Wenn Jesus uns in die Nachfolge ruft, beginnt ein krasses Abenteuer. Die Aufgaben, die er uns stellt, sind meistens eine Überforderung zumindest eine deutliche Heraus-forderung. Jesus nachzufolgen hat immer was mit auf-dem-Wasser gehen zu tun (die nasse Füsse inclusive). Ein Aspekt, den ich gerade sehr schätze ist, dass wir einem peinlichen Gott nachfolgen. Und dies bedeutet, dass auch Nachfolge extrem peinlich sein kann (damit möchte ich nicht alle christlich-subkulturellen Abartigkeiten entschuldigen).

Ja, ich sage es nochmal: Gott ist peinlich: So wie Gott auf die Welt gekommen ist und wie er gestorben ist. Ehrlich: ich finde das peinlich. Gott macht sich quasi zum peinlichen Deppen. Das kommt gerade in Lukas 15 ganz deutlich zum Ausdruck, das Kapitel das der Essener Evangelist Wilhelm Busch als das „goldende Kapitel“ der Bibel bezeichnet hatte, dort wo es darum geht, was es für Gott bedeutet,wenn Menschen zu Ihm finden, kommt dieses peinliche, unwürdige, närrische am deutlichsten zum Ausdruck:

Klaus Berger schreibt über das Gleichnis vom verlorenen Groschen:

„Das Gleichnis handelt .. von Gott. Im Bild dieser Frau steht seine närrische Suche im Zentrum, seine Gottes wahnsinnige Freude. Denn e, der Herr der Welten, ist auf der Suche nach jedem verlorenen kleinen Menschen. er kehrt das Haus um, auf dass er den letzten finden kann. Die normale Weltordnung ist hier verkehrt worden: Nicht wir müssen Gott suchen, den mächtigen und barmherzigen, sondern er sucht uns. Verzweifelt fast, um jeden Preis. Und wer sein Haus umkehrt, um einen Groschen zu suchen, der tut es auf Knien. Nicht wir knien her, sondern Jesus schildert hier Gott auf Knien. Ein merkwürdiger Gott – versteht er denn gar nichts von Würde?…Gott wird hier in seiner Verletzlichkeit und als Verachteter und Belächelter dargestellt, und wohl gerade deshalb auch im Bild einer Frau.“ (Klaus Berger, Jesus, S. 238)

Noch peinlicher verhält sich Gott im Gleichnis von Verlorenen Sohn.

Der Vater rennt dem Sohn, der der Erbe verbrasst hat und sich auf den Weg gemacht hat entgegen. Eine ungeheuerliche Peinlichkeit, absolut unwürdig – ein Mann rennt im Orient nicht, er raubt sich seiner kompletten Würde! Unser Gott ist peinlich! Immer wieder! Weil es ihn um uns geht. Weil Gott liebt „vergisst“ er alles um sich herum, da ist es ihm egal, was andere über ihn denken.

Ich zitiere nochmal Klaus Berger:

„Warum aber ist gott so närrisch? … Gott hat Sehnsucht nach Freude über Gefundenes. Gott und Freude sind identisch. Wenn der Lebensmaßstab Gottes also die Freude ist, dann sieht manches anders aus.“

Deshalb mutet auch Gott uns alle Peinlichkeiten zu, wenn er uns in seine Pläne, sein Herz, sein Leben, seine Leidenschaft hinein nimmt. Gott ist peinlich, Nachfolge ist peinlich. Nachfolge an sich beginnt auch mit so einer Peinlichkeit: der Taufe (wenn das nicht mal peinlich ist, oder?).

Jesus ich will dir nachfolgen!