Meine Work-Life-Balance ist in den letzten Jahren doch ganz schön aus den Fugen geraten. Wenn ich so in mich hineinspüre, merke ich, dass mein geistlicher Tank ziemlich leer ist. Ich habe entschlossen -obwohl mein Leben insgesamt doch sehr turbulent ist – mir im Alltag immer wieder spezielle Phasen der Reflexion und Ruhe zu gönnen. Dazu gehört auch das Ruhegebet nach Cassian. Mehr oder weniger zufällig habe ich einen Kurs zu dieser Gebetswesen entdeckt. Peter Dyckhoff führt in die Gebetsweise ein, die vom Wüstenvater Johannes Cassian (4./5. Jahrhundert) entwickelt wurde.
Inhalt und Ziel dieses Gebets ist es, sich mit ruhiger Herzenshaltung auf Jesus Christus zu besinnen – ein bis zwei Mal pro Tag 20 Minuten. Angesprochen hat mich das bewusste Verzichten auf jegliche Leistung. Ich wiederhole in meinem inneren nur eine „Gebetsformel“ oder ein „Gebetswort“, ohne dass ich mich darauf konzentrieren (Leistung!) müsste. Meine Gedanken dürfen entgleiten und wenn ich es bemerke, dann komme ich einfach wieder darauf zurück und nehme das Gebetswort wieder auf. Da ich gerade beim Beten sehr ablenkbar bin, hat mich das sehr angesprochen. Der Gedanke tritt zwar an die Stelle des Gebetswortes, aber der Gedanke geht auch wieder. Ein Gedanke bleibt nie mehrere Minuten.
Ruhegebet ist nicht Kontemplation (ich gehe von einem Bild zum nächsten) und auch nicht Konzentration (ich fokussiere mich auf einen Punkt).Es ist vielmehr Versenkung und Hingabe.
„Das Gebet ist uninteressant für unseren Intellekt“, sagt Peter Dyckhoff. Es ist zu einfach als dass es unser Denken füttern könnte.
Momentan praktiziere ich das Gebet einmal täglich am frühen Nachmittag. Zwischenfazit: Es tut mir gut. Nicht mehr und nicht weniger. Aber es hat für mich eine große Kraft, mitten am Tag auszusteigen und mich auf diese Art und Weise Gott zu erfahren. Ein bekanntes Zitat von Karl Rahner begleitet mich auch in diesen Tagen: „Der Fromme von morgen wird ein Mystiker sein, jemand, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“
In diesem Sinne möchte ich ein Mystiker sein. Ich will mich einlassen auf Jesus – mitten im Trubel des Alltags. Ob ich das Ruhegebet dauerhaft praktizieren werde weiß ich noch nicht. Dyckhoff empfiehlt, es schon mal ein bis zwei Jahre zu praktizieren. Durch das Ruhegebet will ich neue, gute Gewohnheiten in mein Leben integrieren. (Deshalb schreibe ich darüber, weil könnt ihr irgendwann mal fragen, ob ich das immer noch so tue. Vor 10 Jahren, als ich mit dem Rauchen aufgehört habe, hatte ich diesen Entschluss auch veröffentlicht – soziale Kontrolle kann manchmal helfen).
Für den Einsteiger gibt es hier mal die Gebetsworte („formula pietatis“), suche dir Dein Gebetswort aus, beachte die 3 Regeln (überziehe deine Gebetszeit nicht auf eine halbe Stunde oder länger, bete nicht nach dem Essen, bete nicht in der Sonne) und werde ein Mystiker. Der mystische Weg besteht aus 3 Schritten (Reinigung, Erleuchtung und Einigung).
Herr Jesus Christus,Sohn Gottes, erbarme dich meiner, des Sünders
Herr Jesus Christus,Sohn Gottes, erbarme dich meiner,
Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich unser
Gott komm mir zur Hilfe, Herr eile mir zu helfen
Herr Jesus Christus erbarme dich meiner
Jesus, Sohn Davids erbarme dich meiner
Herr Jesus, Christus, erbarme dich unser
Jesus Christus erbarme dich meiner
Jesus Christus erbarme dich unser
Herr Jesus Christus, Sohn Gottes,
Jesus, Messias, Sohn Gottes
Jesus Christus, Sohn Gottes
Herr erbarme dich meiner
Mein Gott und mein alles
Herr erbarme dich unser
Dein Wille Geschehe
Herr Jesus Christus
Herr erbarme dich
Komm, Herr Jesus,
Jesus erbarmen
Jesus Christus
Kyrie eleison
Jesus, Liebe
Jesus, Herr
Herr Jesus
Maranatha
Immanuel
Jesus, Du
Christos
Adonai
Jesus
Abba








