20. Nov 2009

Nachhaltiges Beten

Meine Work-Life-Balance ist in den letzten Jahren doch ganz schön aus den Fugen geraten. Wenn ich so in mich hineinspüre, merke ich, dass mein geistlicher Tank ziemlich leer ist. Ich habe entschlossen -obwohl mein Leben insgesamt doch sehr turbulent ist – mir im Alltag immer wieder spezielle Phasen der Reflexion und Ruhe zu gönnen. Dazu gehört auch das Ruhegebet nach Cassian. Mehr oder weniger zufällig habe ich einen Kurs zu dieser Gebetswesen entdeckt. Peter Dyckhoff führt in die Gebetsweise ein, die vom Wüstenvater Johannes Cassian (4./5. Jahrhundert) entwickelt wurde.

Inhalt und Ziel dieses Gebets ist es, sich mit ruhiger Herzenshaltung auf Jesus Christus zu besinnen – ein bis zwei Mal pro Tag 20 Minuten. Angesprochen hat mich das bewusste Verzichten auf jegliche Leistung. Ich wiederhole in meinem inneren nur eine „Gebetsformel“ oder ein „Gebetswort“, ohne dass ich mich darauf konzentrieren (Leistung!) müsste. Meine Gedanken dürfen entgleiten und wenn ich es bemerke, dann komme ich einfach wieder darauf zurück und nehme das Gebetswort wieder auf. Da ich gerade beim Beten sehr ablenkbar bin, hat mich das sehr angesprochen. Der Gedanke tritt zwar an die Stelle des Gebetswortes, aber der Gedanke geht auch wieder. Ein Gedanke bleibt nie mehrere Minuten.

Ruhegebet ist nicht Kontemplation (ich gehe von einem Bild zum nächsten) und auch nicht Konzentration (ich fokussiere mich auf einen Punkt).Es ist vielmehr Versenkung und Hingabe.

„Das Gebet ist uninteressant für unseren Intellekt“, sagt Peter Dyckhoff. Es ist zu einfach als dass es unser Denken füttern könnte.

Momentan praktiziere ich das Gebet einmal täglich am frühen Nachmittag. Zwischenfazit: Es tut mir gut. Nicht mehr und nicht weniger. Aber es hat für mich eine große Kraft, mitten am Tag auszusteigen und mich auf diese Art und Weise Gott zu erfahren. Ein bekanntes Zitat von Karl Rahner begleitet mich auch in diesen Tagen: „Der Fromme von morgen wird ein Mystiker sein, jemand, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“

In diesem Sinne möchte ich ein Mystiker sein. Ich will mich einlassen auf Jesus – mitten im Trubel des Alltags. Ob ich das Ruhegebet dauerhaft praktizieren werde weiß ich noch nicht. Dyckhoff  empfiehlt, es schon mal ein bis zwei Jahre zu praktizieren. Durch das Ruhegebet will ich neue, gute Gewohnheiten in mein Leben integrieren. (Deshalb schreibe ich darüber, weil könnt ihr irgendwann mal fragen, ob ich das immer noch so tue. Vor 10 Jahren, als ich mit dem Rauchen aufgehört habe, hatte ich diesen Entschluss auch veröffentlicht – soziale Kontrolle kann manchmal helfen).

Für den Einsteiger gibt es hier mal die Gebetsworte („formula pietatis“), suche dir Dein Gebetswort aus, beachte die 3 Regeln (überziehe deine Gebetszeit nicht auf eine halbe Stunde oder länger, bete nicht nach dem Essen, bete nicht in der Sonne) und werde ein Mystiker. Der mystische Weg besteht aus 3 Schritten (Reinigung, Erleuchtung und Einigung).

Herr Jesus Christus,Sohn Gottes, erbarme dich meiner, des Sünders

Herr Jesus Christus,Sohn Gottes, erbarme dich meiner,

Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich unser

Gott komm mir zur Hilfe, Herr eile mir zu helfen

Herr Jesus Christus erbarme dich meiner

Jesus, Sohn Davids erbarme dich meiner

Herr Jesus, Christus, erbarme dich unser

Jesus Christus erbarme dich meiner

Jesus Christus erbarme dich unser

Herr Jesus Christus, Sohn Gottes,

Jesus, Messias, Sohn Gottes

Jesus Christus, Sohn Gottes

Herr erbarme dich meiner

Mein Gott und mein alles

Herr erbarme dich unser

Dein Wille Geschehe

Herr Jesus Christus

Herr erbarme dich

Komm, Herr Jesus,

Jesus erbarmen

Jesus Christus

Kyrie eleison

Jesus, Liebe

Jesus, Herr

Herr Jesus

Maranatha

Immanuel

Jesus, Du

Christos

Adonai

Jesus

Abba

 

 

26. Okt 2009

Interessantes aus Meiningen

Viel zu schreiben gab es an dieser Stelle in letzter Zeit ja nicht – das wirkt sich natürlich auch deutlich auf die Besucherzahlen aus. Deshalb danke an die letzten Leser für die Treue und das Durchhalten.

Heute habe ich das Bedürfnis von einem Treffen zum berichten, das kürzlich in Meiningen stattfand:
In Meiningen gab es ein Treffen deutscher Coworking-Initiativen. Einen kleinen Einblick über das Treffen und das, was coworking sein kann liefert dieser Filmbeitrag:

28. Sep 2009

Wählerwille

So, jetzt ist es passiert. Zum ersten Mal habe ich nicht gewählt. Und mittlerweile fühle ich mich ganz gut damit, wobei ich ehrlicherweise sagen muss, dass mich den ganzen gestrigen Tag über das schlechte Gewissen plagte.

Ich halte fest:

  • Trotz meiner Nichtwahl, sind die Rechten nicht ins Parlament eingezogen.
  • Angela Merkel als einzige Person, die momentan das Kanzler-Format besitzt, wird weiterhin unsere Kanzlerin bleiben.
  • Das Leiden mit der großen Koalition hat ein Ende.
  • Der Untergang unseres Landes, der ja wohl kommt, wenn man so die Twitter-Beiträge liest wird nicht kommen, auch wenn man ihn auf den 140 Zeichen beschwört.
  • Ein Aufbruch wird auch nicht passieren (Aufbruchstimmung geht glaube ich anders).

Fazit: Durch meine Nicht-Wahl ist eigentlich nichts schlimmes passiert.

Ohne meine Stimme überzubewerten, möchte ich durch meine Nicht-Wahl ein Zeichen setzen.

1. Der Wählerwille ist nicht beliebig durch die Parteien interpretierbar.

2. Erstmals haben die Nicht-Wähler die Wahl zum Bundestag gewonnen. Das richtige Endergebnis muss lauten (bezogen auf die Wahlberechtigten):

  • Nichtwähler: 29 % (Ungültig-Wähler noch nicht berücksichtigt)
  • CDU/CSU: 24 %
  • SPD: 16 %
  • FDP: 10 %
  • Linke: 9 %
  • Grüne: 8 %

Können die Parteien wirklich zur Tagesordnung übergehen. Die neue Regierung wird gerade mal von einem Drittel der Bevölkerung legitimiert sein.

3. Es heißt: „Wer nicht wählt, darf auch nicht schimpfen!“ Warum eigentlich nicht? Es war die Idee der Väter des Grundgesetzes, dass keine Wahlpflicht eingeführt wurde. Damit wurde bewusst die Möglichkeit geschaffen, dass wenn man mit der Auswahl nicht einverstanden ist, man eben auch nicht wählen gehen muss. Von diesem Recht habe ich gebrauch gemacht. Es lag nicht am Wetter, es lag nicht an meiner Faulheit, es lag nicht daran, dass ich an Politik kein Interesse habe – ich wollte einfach einmal nicht „das kleinere Übel wählen“.

4. Ich wollte bewusst nicht das derzeitige System der Parteiendemokratie wählen. Das halte ich für nicht mehr zeitgemäß. Wir müssen dem Volk wieder mehr zutrauen und die Mitglieder des Bundestages (und den Kanzler und den Bundespräsidenten) vom Volk wählen lassen und nicht von den Parteien. Ich mache ein Beispiel: In unserem Wahlkreis wurde der Vertreter der Linken direkt gewählt mit 33 % oder so: Herzlichen Glückwunsch. Auf Platz 2 musste sich der CDU-Vertreter knapp geschlagen geben – er wird deshalb nicht in den Bundestag einziehen, die abgeschlagene Drittplatzierte von der SPD bekam noch 21 % und zieht aber fröhlich in den Bundestag ein, obwohl sie nicht vom Volk legitimiert ist, wohl aber von Ihrer Partei, die darauf achtet, dass Verdienstvolle Parteigenossen auch sichere Listenplätze bekommen. Über die Liste in den Bundestag zu kommen bedeutet real von ein paar 100 Leuten ausgewählt worden zu sein. Das ist weder demokratisch noch sportlich. Im Sport gibt es die Möglichkeit, dass die Bestplatzierten zweiten oder dritten noch nachrücken können. Warum gibt es so etwas nicht in der Politik.

Wir Nicht- und Ungültigwähler und die Schlechte-Gewissen-Wähler haben nun 4 Jahre Zeit außerparlamentarisch darauf hinzuwirken, dass in Zukunft mehr demokratische Partizipation möglich wird. Hoffentlich verliere ich das nicht aus den Augen.

5. Sep 2009

Es ist egal

Es waren Wahlen in Thüringen. Ich habe gewählt – ehrlich gesagt widerwillig. Ich habe es getan, weil ich es für eine demokratische Pflicht hielt. Und ich bekam Recht. Nicht wegen der Frage, wer Ministerpräsident werden sollte, das war egal, wenn man genau hinschaut. Ich war bestärkt, weil wir dadurch die Rechten rausgewählt haben. Mittlerweile Frage ich mich, ob das wirklich der Punkt ist. Ist es nicht auch egal, ob wir die Rechten mit 5 oder 6 Prozenten im Parlament sitzen haben oder nicht.

Es ändert nichts an der Logik unserer Demokratie. Nein, jede Wählerstimme legitimiert das derzeitige politsche System. Nur zu wählen um Rechte rauszuhalten, ist mir zu wenig. Wir brauchen eine neue Demokratie, einen neuen gesellschaftlich relevanten Aufbruch. In diese Stimmung fiel mir gestern ein Buch in die Hände: „Die gestohlene Demokratie“ von Gabor Steingart. Ich sagte noch, dass dieses Buch mit dazu bringen wird, nicht mehr zu wählen, das goss eine Freundin, Schweizerin, noch mehr Öl ins Feuer: „ihr habt doch eh eine Schein-Demokratie“. Eine Außenperspektive kann manchmal sehr hilfreich sein.

Demokratie muß mehr sein, als das, was ich momentan erlebe. Ich muss doch mehr Wahl haben als das Auswählen aus einer abgeschotteten politischen Kaste. Möglicherweise wird das die erste Wahl in meiner 22-jährigen Wählerkarriere an der ich bewusst nicht teilnehme – aus Protest – und macht mich bitte nicht dafür verantwortlich, wenn Rechte ins Parlament einziehen.

3. Sep 2009

Ethische Diskussionen

Wir leben in einem Land in dem irgendwann die Grundlage dafür verloren ging, was nun ethisch wertvolles handeln ist und was dem widerspricht. Gerade in der Finanz- und Wirtschaftswelt wurde dieses Vakuum in den letzten Jahres doch sehr deutlich. Am 21. September 2009 bin ich Gastgeber einer Podiumsdiskussion zu diesem Thema. Nähere Infos gibt es auf unserer Business-Seite.

5. Aug 2009

Wahlkämpfer

Umgang mit Steuergeldern

Umgang mit Steuergeldern: Das Propagandamobil der NPD

Neulich habe ich mit meinen Freunden mal wieder politisiert – so ein bisschen die Welt bewegt. Und wir kamen dabei auf die anstehenden Wahlen und die dazugehörigen Wahlkämpfe. Wir haben nachgedacht, was es bräuchte, dass Wahlkampf zu einem echten politischen Diskurs für die Menschen und Wähler wird. Unser Gespräch möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen, dafür waren die Antworten doch noch zu dürftig.

Letzte Woche hat dann der Wahlkampf in Thüringen so richtig angefangen. Es war so ein unschuldiger Donnerstag als plötzlich so ein NPD-Propaganda-Fahrzeug in die Meininger Fußgängerzone einfuhr und einlud doch bei der nächsten Wahl diese Partei zu wählen. Bei der anschließenden Wahlkampfveranstaltung auf dem Marktplatz waren eigentlich nur Nicht-NPD-Wähler anwesend. Einer hatte die Idee mit einer blauen Mülltüte herumzulaufen, um den Müll, den sie so von sich gleben, gleich auch wieder einzusammeln. Zwei Beobachter der Szenerie sind dann auch gleich zum Stand gelaufen und haben Material und Kuli oder so was geholt und gleich danach demonstrativ in diese blaue Mülltüte geworfen.

Der NPD-Wahlkämpfer lies sich danach über DIE VERSCHWENDUNG VON STEUERGELDERN aus! Diese ausgelegten NPD-Materialen seien ja schließlich von Steuergeldern bezahlt. Und es sei ja eine Frechheit so mit Steuergeldern umzugehen. Ich habe diese Ausführungen nur noch von Ferne gehört… aber diese Sätze sind noch sehr lange bei mir nachgeklungen….

Am nächsten Morgen wurde eine riesige Bühne auf dem Marktplatz für den Wahlkampfauftakt von Dieter Althaus ausgebaut – auch bezahlt von Steuergeldern. Das ist Wahlkampf! Es ist ja keine Neuigkeit, dass Parteien Wahlkampfkostenerstattungen oder wie das heißt bekommen. Viel Geld, damit die NPD Kulis drucken, die CDU riesige Bühnen für ein paar Stunden aufbauen können, die SPD ihr Sommerfest mit Herrn Matschi ausrichten kann und alle dann unsere schönen Städte mit dumpfen Parolen zukleben dürfen.

Und was machen wir, die Menschen und Wähler? Wir verschwenden die wertvoll investierten Steuergelder und suchen irgendwelche Wege, um irgendwie herauszufinden, wenn man denn überhaupt noch wählen kann.

Und wie kommst Du zu Deiner Wahlentscheidung?

25. Jun 2009

Neuland denken

Gestern war ich bei einer Veranstaltung bei der der Film „Neuland denken“ von Daniel Kunle und Holger Lauinger aufgeführt wurde. Ich mag den Film (habe ihn nun zum 3. Mal gesehen) weil er einen sehr krassen und realen Einblick in den Strukturwandel im ostdeutschen ländlichen Raum berichtet – dieses Stimmungsbild macht fast depressiv und zum Glück bleibt er nicht dabei stehen. Ab der Mitte des Films werden Stück für Stück einzelne „Fenster“ geöffnet, Beispiele gezeigt, wie Menschen anfangen mitten in diesem Umbrüchen zu gestalten und Chancen zu sehen. Es sind keine Hurra-Beispiele, keine „großen Sachen“, sondern zeigen auf, was möglich sein könnte. Der Film macht mir sehr Mut mit anderen zusammen in meiner Stadt und Region nach Möglichkeiten zu suchen. Ich könnte mir auch vorstellen den Film in den nächsten Monaten in Meiningen zur Aufführung zu bringen.

Im Rahmen der Podiumsdiskussion (u. a. mit dem Journalisten und Filmemacher Holger Lauinger, dem Bürgermeister von Suhl und 2 Bundestagsabgeordneten) hörte ich von 2 Modellen, die ich beachtenswert empfinde und für eine weitere Entwicklung von Meiningen interessant sein könnten:

Das eine ist der sog. Bürgerhaushalt und stellt eine neue Art der Bürgerbeteiligung dar. Und das Zweite ist das Konzept von „Shared Space“, das in Deutschland in der Gemeinde Bohmte umgesetzt wird. Shared Space beinhaltet neue Ausgangspunkte für den Gebrauch, den Entwurf und die Unterhaltung unserer Strassen und öffentlichen Räume und hebt die herkömmliche Trennung der verschiedenen räumlichen Funktionen auf.

22. Jun 2009

Ein paar Spots

Zitate aus der Psychologie heute (Ausgabe Juli 2009):

„Haben wir eine Situation nicht mehr völlig im Griff, neigen wir dazu, die wenigen uns bekannten Informationen als vollständiger und bedeutsamer anzusehen, als sie es tatsächlich sind.“

„Besinnen wir uns auf Werte und Dinge, die uns wichtig sind, lässt das Gefühl des Kontrollverlustes nach, und unsere Wahrnehmung der Welt kommt wieder ins Lot.“

(aus dem Artikel: Muster geben Halt)

„Stress ist zwar ein natürlicher Teil unseres Alltags, ein Übermaß an negativem Stress kann aber die neuronalen Schaltkreise langfristig stören.“

(aus dem Artikel: Armut schädigt das Gehirn)

„Heranwachsende mit einem übersteigerten Selbstwertgefühl, das schon an Narzismuss grenzt, reagieren auf eine Erniedrigung deutlich aggressiver als Gleichaltrige mit weniger stark ausgeprägtem Ego.“

(aus dem Artikel: Zu Stolz für Niederlagen)

„Paare, die darauf  vertrauen können, dass es in der Partnerschaft grundsätzlich gerecht zugeht, müssen nicht von Tag zu Tag für Ausgewogenheit kämpfen.“

(aus dem Artikel: Ignorieren, abwarten, argumentieren)

„Antidepressiva sind akute Schmerzmittel für die Seele. Heilen können sie nicht.“

(aus dem Artikel: Helfen Pillen gegen die Schwermut?)

22. Jun 2009

In der Presse

Am Samstag erschien ein Artikel über mich im Meininger Tageblatt. Nachzulesen auf meinem Workflow-Meiningen-Blog.

15. Jun 2009

Die guten alten Zeiten

Heute habe ich bei Neu-Blogger und Neu-Staddtrat Michael einen Film gesehen, über den Meininger Stadtteil Jerusalem in dem ich 4 Jahre gelebt hatte und dort mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet habe. Der Film ist bestimmt 5 oder 6 Jahre alt. Ein interessantes Dokument: erstens weil es die Situation von „damals“ beschreibt und zweitens, weil ich da auch vorkomme  (ich werde senitmental – war schon eine sehr spannende Zeit).